Den Eingang der Höhle hatten wir folgendermaßen gemacht. Aus der Erde wurde ein genaues Viereck herausgestochen, so daß es nicht brach. Diese Erde wurde auf einem ebenso großen, durchlöcherten Stück Brett mit dünnem Draht und Leim festgemacht, damit sie zusammenhielt. Unten am Brett war ein Handgriff befestigt, so daß die Luke von innen auf- und zugemacht werden konnte. Wenn wir nachts aus unserer Höhle herausgingen, sollte es nur auf Strümpfen geschehen, damit keine grobe Spur entstünde. Wir konnten dort kochen, der Wasserlauf war nicht weit ab. Man hätte uns also vergeblich überall nachgesetzt. In einer schönen Mondscheinnacht wollten wir dann abfahren. Wir hatten uns eine Browningpistole verschafft und aus einem Petroleumbehälter einen Flammenwerfer hergestellt. Fechtrappiere, Beile und das einzige noch vorhandene Zeißglas hatten wir gleichfalls mit.
Wie sollten wir aber zu einem Schiffe kommen? Dafür hatten wir uns mit einem Lagerinsassen verabredet. Der sollte uns ein Lichtsignal geben. Wenn ein roter Lampenschirm abends an seinem Fenster einmal verschwand, dann hieß das: Sie suchen euch nicht mehr auf der Insel. Dann wollten wir eine schöne, stille Mondscheinnacht abwarten, in der die Segler still liegen. Wir würden hinrudern und mit unseren sechs Mann ein Schiff nehmen.
(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
Häuptlingstochter der Waikato.
Wenn der Waffenstillstand drei Wochen später gekommen wäre, hätte er uns nicht mehr im Lager angetroffen. Später haben wir den Neuseeländern unsern Plan erzählt. Da haben sie mit Hunderten von Maoris den Unterstand gesucht, aber nicht finden können.
Nach dem Waffenstillstand haben wir noch vier Monate in Narrow Neck gefangen gesessen, durften aber jetzt Besuche empfangen. Da kam eines Tages eine Häuptlingsfrau der Maoris vom Stamm der Waikato, die sich 1860/61 durch ihren heldenhaften Freiheitskrieg gegen die Engländer einen Namen in der Geschichte gemacht haben. Auch ließen sie sich im Weltkrieg nicht in die englischen Aushebungslisten eintragen. Die eingeborene Dame, Frau Kaihau, betrat meine Kabine und überreichte mir einen langen Brief, in Maorisprache geschrieben, etwa folgenden Inhalts:
»Ich komme zu Dir, Du großer Häuptling, und überreiche Dir zur ferneren Erhaltung der alten Überlieferung die Matte des großen Häuptlings Wai-Tete.«
Gleichzeitig holte sie unter ihrem Kleid eine Matte hervor, die sie sich untergebunden hatte, um diesen Gegenstand vor der englischen Wache zu verbergen.