Mein Erstaunen war groß, ich stoße Kircheiß an, aber auch dieser zuckt mit den Achseln und kann mir keine Erklärung geben. Glücklicherweise war eine deutsche Dame anwesend, die schon längere Zeit auf Neuseeland lebte und mit den ehrwürdigen Sitten der Eingeborenen vertraut war. Sie erklärte mir, ich sei eben im Begriff, die größte Ehrung zu empfangen, welche Maoris einem Mann erweisen könnten. Mittlerweile fing die Häuptlingsfrau an, im Raum herumzutanzen. Mit großer Geschwindigkeit und wilder Kraft tanzte sie »Haka-Haka«. Nachdem sie den Tanz beendigt hatte, holte sie einen grünen Stein hervor, den es nur in Neuseeland gibt. Diesen überreichte sie mir zusammen mit der Matte. Ich fragte sie:

»Bin ich denn nun Häuptling der Maori?«

»Gewiß sind Sie Häuptling. Sie dürfen sich jetzt ›Wai-Tete‹ d. h. ›Heiliges Wasser‹ nennen, und der Geist unseres verehrten Helden lebt in Ihnen fort. Auch diesen Stein darf nur der Inhaber der Häuptlingswürde tragen.«

»... Der Geist dieses verehrten Helden lebt in Ihnen fort.«

Ich drückte der Maorifrau dankbar die Hand. Beim Abschied bat sie mich dringend, Matte und Stein gut zu verstecken. Ich habe diese rührende Ehrung für Deutschland angenommen und erhielt auch die Erlaubnis, Matte und Stein mit mir in mein Vaterland auszuführen, in der sicheren Hoffnung, daß ich einmal zurückkehren würde. An einem Sonntagnachmittag ließ ich mich, noch immer hinter Stacheldraht, heimlich in der Häuptlingstracht der Maori photographieren. Es fehlte freilich die Tätowierung und die volle Kriegsbemalung, welche zu einem richtigen Helden gehört.

(Phot. R. Hofmann, Kassel.)