Mit dem Quartier war ich soweit zufrieden, aber am nächsten Tag erhob sich die Frage: wo etwas zu essen zu bekommen wäre.

Zunächst nährte ich mich von Kokosnüssen, aber das halte der Teufel aus, wenn er davon leben soll. Ich habe zwei, drei Tage so durchgebracht. Endlich kam ein Dampfer. Jamaika ist kein Endhafen wie Hamburg, London oder Rotterdam, wo die Schiffe ihre Reise beendigen und neue Mannschaft anheuern. So konnte man nicht damit rechnen, ohne weiteres ein Schiff zu bekommen. Die Erfahrung hatte ich noch gar nicht gemacht.

Da kommt also der Dampfer herein. Ich bemühte mich gleich, an Bord zu kommen mit meinem Knüppel und Gipsverband. Ich besaß keine Mütze, war unrasiert und ungewaschen, mein Gesicht so verbrannt, daß die Hautfetzen herunterhingen; dazu das lange ungeschnittene Haar, ich sah ziemlich verboten aus.

Das Schiff war dabei, Kohlen zu löschen, und zwar in Säcken. Da gehe ich an Bord und will den Steuermann sprechen. Der weist mich mit einem derben englischen Schimpfwort ab. »Wie siehst du Schwein aus? Was willst du hier auf diesem Dampfer?«

Herrgott, ging mir das nahe. Dabei war es nur ein Kohlenschiff.

Wie ich wieder am Kai bin, nehme ich mir einen leeren Kohlensack mit, ohne genau zu wissen, was ich damit wollte.

Ich gehe wieder an Land und habe wahnsinnigen Hunger. Ein Neger schneidet mir auf meine Bitte den Gipsverband los. Bald macht sich aber der Nachteil fühlbar, denn die Strahlen der Tropensonne brannten das Bein und verursachten tüchtige Schmerzen. Da hat mir der Kohlensack brave Dienste geleistet, indem ich ihn ums Bein nähte. Nachts diente er als Kopfkissen.

So verbrachte ich drei weitere Tage mit Kokosnüssen und Bananen. Wie ich da längs eines kleinen Flusses humple, der auf der andern Seite der Stadt floß, komme ich in ein Bambusrohrgebiet. Dort sitzt ein alter Westindienneger und schneidet Bambus. Da ich mein Schiffsmesser noch habe, bin ich ihm behilflich. Am Abend gibt er mir sechs Pence für Essen. Wie ich ihm erzähle, was mit mir los ist, scheint er es nicht recht zu glauben und betrachtet mich sehr mißtrauisch. Schließlich frage ich ihn nach Quartier, ich wünschte gern weiter mitzuarbeiten, aber er wollte nicht recht darauf eingehen. Er murmelte allerlei von »erst mal sehen« und dergleichen, bot mir aber endlich seinen Wagenschuppen zum Übernachten an, nicht etwa seine eigene Hütte, wenn diese auch nur im Negerstil war.

Ich machte keine Ansprüche und bettete mich mit ein paar Matten zwischen die Negerkarren. Man glaubt nicht, wie es anstrengt, dauernd unter diesem feuchten Tropennachthimmel zu schlafen, ganz klamm vor Nässe. In meiner Schilfrohrbude liefen die Riesenkakerlaken zu Hunderten umher; das knisterte ununterbrochen. Danach jagten die Ratten. Kein Tier ist mir widerlicher als die Ratte. Dennoch schlief ich, denn ich war hundemüde.

Am Morgen gab mir der Neger etwas Maisfutter und dann ging es wieder an die Arbeit. Wie ich nun da Bambus schneide, sehe ich ein weißes Schiff sich dem Hafen nähern. Aus war es mit dem Bambusschneiden und stracks zum Hafen. Jedes Schiff, das hereinkam, war ja eine Hoffnung für mich.