Die herrliche Stimmung: Rettung!
Aber in demselben Moment verläßt uns auch der letzte Funke von Energie. Wir fallen hintenüber und warten auf die Dinge, die da kommen sollen. Der Dampfer — das italienische Schiff »Maracaibo« — läßt seine Sturmleitern herunter, an denen wir heraufklettern sollen, aber unmöglich. Unmöglich, überhaupt sich aufzurichten! Wir überließen uns dem Retter, mochte er jetzt mit uns machen, was er wollte. Der Dampfer mußte die Ladebäume ausschwenken und uns an Taustroppen wie ein Stück Ladung hochheißen. Wir sind nicht davon aufgewacht. Wie wir an Deck des Dampfers gebracht worden sind, ist uns nicht mehr in Erinnerung. Sechzehn Stunden hintereinander haben wir geschlafen, ohne zu wissen, wo wir waren.
Als mein Bein aufgemacht wurde, war alles schwarz, und sie meinten, es wäre der Brand hinzugekommen, verheimlichten es mir aber.
Als wir in Neuyork sind, komme ich ins deutsche Hospital. Der junge Arzt sieht sich den Knochen an, der offen daliegt in der Wunde, beklopft den Knochen und geht kopfschüttelnd fort, in der Meinung, daß Brand eingetreten wäre. Aber der alte Professor, der am anderen Morgen kommt, sagt: »Nein, das Bein ist gut«. Das Blut war gestockt, die Gelenkbänder waren gerissen, eine große Blutstauung von innen nach außen getreten, und davon war das Bein so schwarz geworden.
Als ich nach acht Wochen das Hospital verlassen hatte, kam ich auf den kanadischen Dreimastschoner »The flying Fish«. Wir gingen mit einer Holzladung nach Jamaika. Kurz vor der Ankunft dort brach ich mir durch eine Unvorsichtigkeit beim Lukenöffnen abermals das Bein.
Da ereignete sich etwas, das viele Jahre später für mich von Bedeutung sein sollte. Als ich Seeoffizier auf Seiner Majestät Schiff »Kaiser« war und Majestät allerhand erzählen mußte von meinen Abenteuern, da fragte er mich eines Tages: »Luckner, wann ist es Euch denn eigentlich am schlechtesten ergangen?«
»Als ich auf Euer Majestät Schiff ›Panther‹ war!«
Plessen, der korrekte alte Herr, sah bei dieser Bemerkung gestreng darein; Majestät selbst lächelte und sagte: »Donnerwetter, das erzählen Sie mal ...«
Also, ich hatte mir auf dem kanadischen Schoner das Bein gebrochen und man brachte mich in Jamaika ins Lazarett, wo ein Gipsverband angelegt wurde. Ich kam nur mit Beinkleid, Jacke und einem Stiefel an, alles übrige war auf dem Schiff geblieben. Nach vierzehn Tagen fragte mich der Lazarettinspektor, ob ich auch ein Guthaben auf dem Schiff hätte. »Ja,« sagte ich, »sechs Pfund.« »Na, dann ist es ja gut.« Eine Woche später schickte er nach dem Konsulat, um das Guthaben holen zu lassen. Da hieß es denn: »Sie haben ja nur drei Pfund Guthaben.« Das Schiff war weg, der Kapitän hatte nicht nur mein Zeug mitgenommen, sondern auch das halbe Geld einbehalten. Ich besaß außer dem, was ich auf dem Leibe trug, nichts mehr. Deshalb warf man mich einfach aus dem Hospital hinaus.
So lag ich mit meinem gebrochenen Bein im Gipsverband auf der Straße. Ich verschaffte mir einen Stock und ging dann an den Strand. Dort schlug ich mein Quartier auf und deckte mich mit Sand zu.