»Wo waren Sie auf der Schule?«, fragte er mich.
»Ich habe mich privat vorbereitet.«
»Sie sind Abiturient, nicht wahr, mit guten Grundkenntnissen?«
»Nein, ich bin Tertianer.«
»So,« sagte er, »ich bin bis zur Prima gekommen, habe es aber doch für nötig gehalten, sieben Monate noch zur Schule zu gehen. Nun, kommen Sie in drei Wochen zum Examen.«
Ich äußerte die Befürchtung, man wünschte wohl diejenigen auszumerzen, welche die Schule umgingen.
Er meinte zwar, das hätte er nicht gerade gesagt, aber er interessierte sich natürlich in besonderem Maße dafür, was dabei herausgekommen wäre. Meine Selbstsicherheit war doch so sehr erschüttert, daß ich wiederum weiterzog nach Flensburg, zum Oberlehrer Pfeifer. Der wollte mich gleich annehmen, aber ich müßte mich erst in Altona bei Direktor Jansen vorstellen. Das wäre ein so gemütlicher Mensch!
»Nein,« sagte ich, »da komme ich ja gerade her. Der Herr interessiert sich so sehr für hohle Zähne. Können Sie mir nicht sagen, wo noch eine Schule ist, an die ich mich wenden kann?« In Lübeck paßten mir nämlich die Termine damals nicht.
Da riet er mir, nach Timmel bei Papenburg in Ostfriesland zu gehen, da würden so schwerfällige Menschen unterrichtet. Papenburg ist ein kleines Nest mitten in Ostfriesland, wo es nur Torf gibt. Es ist eigentlich die größte Stadt der Welt, nämlich die längste, denn man braucht 2½ Stunden, um hindurchzulaufen. Sie hat drei Postämter. In früheren Zeiten war es eine Torfkolonie. Ein Kanal läuft hindurch und die Kolonisten haben sich rechts und links angebaut.
Ich gehe also dorthin zur Schule. Da war ein alter, würdiger Herr mit einem weißen, fusseligen Bart. Ich war schon gewitzigt und erzählte ihm, ich hätte aus Gesundheitsrücksichten keine Schule besuchen können, daher die Zeit auf meinem Krankenlager benutzt, um mich privat vorzubereiten. Ich wäre pekuniär nicht in der Lage gewesen, die Schule noch nach meiner Krankheit zu besuchen, wäre aber sehr fleißig gewesen usw. Ich verstand es schon besser, mich auszudrücken.