Nachdem die Bullaugen eingeschlagen, wurden grobe Holzverschläge eingesetzt, wie sie der Seemann nach einem Sturmschaden zum notdürftigen Ersatz einbaut. Nasses Unterzeug wird in der Kajüte aufgehängt und alles durchfeuchtet, selbst die Schiebladen und Matratzen mit Eimern voll Seewasser. Man mußte gründlich sein, es durfte nichts trocken bleiben. Die Schiffspapiere selbst wurden nun sämtlich in nasses Löschpapier gepackt, damit die ganze Tinte gut durchsog bis zur etwaigen feindlichen Untersuchung. Man braucht ja dann dem Engländer nichts zu erklären, dafür waren die zerschlagenen Bullaugen und die Nässe in der Kajüte da. Ausgelaufen war die Tinte nun mal an den radierten Stellen; so sollte sie denn nun vollständig auslaufen. Für diesen zwar kleinen, aber erhabenen Zweck stellte uns der Ozean unbegrenzte und unverdächtige Mengen feuchten Stoffes zur Verfügung.

Wir liegen nun und warten auf Befehl zum Auslaufen. Da, am 19. Dezember kommt ein Torpedoboot nach Norderau, wo wir lagen. Was will denn das? Es kommt heran, geht in der Nähe vor Anker. Wir lagen unter norwegischer Flagge mit dem Neutralitätsabzeichen außenbords.

Das Torpedoboot setzt ein Boot aus, ein Offizier kommt an Bord der »Irma«, in Uniform und Pelz, tiptop. »Wo ist der Kapitän? Ich habe einen Befehl für ihn.«

Wir hatten vollkommenen Zivilbetrieb eingeführt, behaglich und ein wenig schmuddlig, für die norwegische Gruppe war nur norwegisches Kommando, und ich hieß der »Gubben« (Kapitän). Die drei Wochen, die wir da gelegen hatten, waren insofern günstig, als unsere Bärte an Größe und Gestalt zugenommen hatten. Ich gewöhnte mir ordentlich das olle Seemännische wieder an, hatte ein paar große Holzschuhe, dicke, wollene Strümpfe, eine alte norwegische Hose und eine Mütze mit zwei oben zusammengebundenen Ohrenklappen.

»... Wir hatten vollkommen Zivilbetrieb eingeführt, behaglich und ein wenig schmuddlig.« (Die norwegisch sprechende Besatzung.)

Phlegmatisch antwortete also der Steuermann dem patenten Offizier: »Der Gubben ist achter.«

Der Offizier mit dem Pelzkragen, tadellos, kommt zu mir: »Sind Sie der Kapitän?« Er starrt mich an und schreit: »Luckner ...!!«

»Wat heet hier Luckner, wat is los?«