Nun wurde die Verschleierungsrolle mit der norwegischen Besatzung eingeübt. Jeder bekam seinen norwegischen Namen. Auch mußte jeder genau im Bilde sein über seinen neuen Heimatsort; aus Bädeker und anderen Reisebeschreibungen wurden Erkundigungen eingeholt. Die Photographien wurden ausgehändigt und die vielen Briefe.
Mit allem war man fertig, wir warteten nur auf günstigen Wind zum Auslaufen. Da wird uns auf einmal ein roter Strich durch alles gemacht. Ein drahtloses Telegramm befiehlt uns: »Nicht auslaufen, warten, bis U-Deutschland zurück ist.« Die Sperren der englischen Blockade waren augenblicklich des Handels-U-Bootes wegen doppelt stark besetzt.
Wir warten Tage, Wochen, die »Maletta«, mit der wir unter Aufbietung aller Kräfte bisher hinsichtlich des Aufbaues Schritt gehalten haben, läuft aus Kopenhagen aus, läuft uns davon! Was nun? Der ganze Plan war zerstört. Wir hatten einen Tag vor der »Maletta« abfahren wollen, damit, wenn die englische Blockadebewachung drahtlos in Kopenhagen anfragt, die Antwort kommen mußte: »Stimmt, Schiff ist abgefahren.« Die drahtlose Rückfrage war ja die gefährlichste Klippe, die zu umgehen war, und dieses technische Hilfsmittel der Neuzeit komplizierte unsere Kriegslist am allermeisten.
Der einzige Behelf, den wir nun noch hatten, war Lloyds Register, worin alle Schiffe nach Größe und Eigentümer angegeben sind. Wir konnten danach ein beliebiges Schiff nehmen, aber wir wußten nicht, wo sich dieses Schiff befand. Nach den Vermessungen stimmte mit uns die »Carmoe« überein. Wir mußten sie also nehmen.
Was das heißt, die Schiffspapiere ändern! Name des Reeders, Baudaten, Werft, Länge, Tiefgang und Breite, die verschiedenen Eigentümerangaben, Versicherungsklassen, alle diese Zahlen mußten in zehn verschiedenen Papieren geändert werden, ohne die Druckschrift der Vordrucke zu schädigen. Jetzt ging es mit Tintentod ran an die Arbeit. Dem Leutnant Pries gelang es mit großer Sorgfalt und Liebe. Man konnte ungefähr sagen, es ging an, wenn die Beleuchtung nicht sehr hell war, und dafür konnte man durch Segeltuchbezüge vor den Lichtern sorgen.
Aber was wollte das alles sagen, wenn uns die drahtlose Telegraphie dazwischen kam? Wir wußten ja nicht, wo sich das Schiff befände. Da brachte uns ein Zufall darauf, die neuesten norwegischen Handelsblätter durchzusehen, die wir aus Echtheitsgründen mitgenommen hatten, und wir lasen unter den Schiffsrouten: »Carmoe nach Kirkwall zur Untersuchung eingeschleppt.«!!
Welches Pech! Nun scheint alles vorbei. Pessimismus will sich regen. Neue Papiere können wir nicht herstellen, da die Verbindung mit der Heimat fehlt. Einerlei! Ich bin ein krasser Optimist. Weg mit dem Lloydsregister, es gibt noch ein anderes Register, und das ist besser und versagt nicht, das Liebesregister! Irma hieß mein Sonnenschein, »Irma« soll das Schiff heißen! Das muß gehen!
»Carmoe« wird ausradiert, alle andern Angaben stehengelassen. Das zweimalige Wegradieren des Namens blieb aber mächtig augenfällig; die Buchstaben liefen aus. Der Adjutant sagte: »Wir dürfen den Feind nicht für dumm verkaufen.« Aber was tun? Hier kann nur eine Hand helfen, die gröbste Hand an Bord.
»Schiffszimmermann, bring’ die Axt her und hau die ganzen Bullaugen in der Kajüte ein!«
Der Zimmermann stutzt, er sieht den Zusammenhang nicht. Es tut ihm weh, er weiß nicht, was es bedeuten soll, aber dann schlägt er los.