Sie klagte nicht mehr, sie weinte nicht mehr; sie wollte ihm nicht das Herz schwach und das Auge trübe machen. In ihrer Seele war das Bewußtsein ernsten und heiligen Glückes; sie ruhte in ihrer Liebe.

Sie hatten keine Zeit, um von Tod und Gefahr und Furcht zu sprechen. Sie waren glücklich. Im Himmel weiß man nur von der Seligkeit.

Dem Justizrath Kleber schickte Tosca die Akte zu, mit dem Auftrag, sie in dieser Form zu vollziehen. Dann schrieb sie ihrem Arzt und bat ihn um den Freundschaftsdienst, heut Abend um zehn Uhr zu ihr zu kommen, und sie auf einer kurzen Reise zu begleiten.

„Wozu? wohin?“ fragte Sigismund bebend.

„Mit Dir!“ antwortete sie gelassen.

„O nimmermehr!“ rief er.

„Soll die einsame Qual mich tödten?“ fragte sie.

„Starkes Herz!“ sagte er bewundernd.

„Sprich: liebendes Herz — Sigismund.“

Um zehn Uhr Abends fuhr Ignaz mit seinem Sekundanten und seinem Arzt von British Hotel ab, und Sigismund mit seinem Sekundanten, und Tosca mit ihrem Arzt, fuhren um dieselbe Stunde von dem grauen Hause, an der Linden- und Kirchstraßenecke fort. Es war eine feuchte, kalte Märznacht. Durch die halb mit Schnee, halb mit Nebel gefüllte Luft schimmerten die Laternen der drei Wagen roth und trübe wie Trauerfackeln. Gegen Morgen kamen sie im Gehölz von Dannenwalde auf der mecklenburgischen Grenze an. Sigismund stieg zu Tosca in den Wagen, um sie zu beschwören, nach dem Gasthaus des Dorfes zu fahren.