Königl. Hofbuchhändler.


1843.

1. Am Rhein.


Im Gasthof zum Stern in Bonn saß eine Gesellschaft fröhlicher Studenten beisammen. Sie tranken lebhaft und sprachen noch lebhafter über rosenrothe Mädchen und graue Professoren, und zwar nach Studentenart, nämlich so, daß am Ende sonnenklar erwiesen wurde, wie kein Mädchen hübsch genug und kein Professor geistreich genug sei, um von Studenten sonderlich beachtet zu werden. Darin stimmten Alle überein, auch die, welche eben zum Beginn der Wintervorlesungen nach Bonn gekommen waren, und folglich von dessen Professoren nur die Namen, und von dessen hübschen Mädchen nur das wußten, was ihnen die schnellgewonnenen Freunde, die schon länger da gewesen waren, von ihnen erzählten. Mitten in dieser allgemeinen Weiberverachtung sprang ein junger Mensch lebhaft auf und ans Fenster und rief:

„Sacristi! da geht ein bildschönes Mädchen!“

Die Hälfte seiner Gefährten sprang ihm nach, aber das Mädchen war schon verschwunden.

„Wer war es? wie sah sie aus?“ fragten sie ihn.

„Die ist schön!“ wiederholte er und sah mit seinen dunkeln leuchtenden Augen unverwandt auf den Platz hinaus.