Ellen Olestjerne
Roman
Drittes Tausend
Geheftet 3 Mark 50 Pf., gebunden 5 Mark
Neue Freie Presse, Wien: Die Idee erinnert an Renate Fuchs, die auch durch allen Schmutz schreitet, ohne daß er ihr höher als bis zu den Sohlen dränge, aber Renate Fuchs ist eine wandelnde Idee, mit ungeheuer viel geistreichem Beiwerk. Ellen Olestjerne ist aus Fleisch und Blut, und das Leben pulst ihr in jeder Fiber. Wir folgen ihr durch ihre eingezwängte Jugend auf dem freiherrlichen Schloß ihrer Eltern, durch alle Gouvernantenkämpfe und die mit der strengen Mutter, die keine Ahnung von den seelischen Vorgängen ihrer heißblütigen Tochter hat, und die sie reizt und quält bis zu Ellens eroberter Freiheit in München, wo sie in der Malerbohème unterzugehen droht und sich dennoch mit Aufgebot übermenschlicher Kräfte schließlich für ihr Kind rettet. Es ist der Roman einer Übergangszeit für das Weib … Die Münchener Malerbohème ist geradezu glänzend geschildert. Man vergißt oft, daß man liest, man erlebt alles mit, ihren Idealismus, ihre wundervolle Kameradschaftlichkeit, ihren Übermut, ihre Zwanglosigkeit und ihren Hunger. Man muß das Buch lesen … Ellen macht alles durch, was ein Weib nur erleben kann, unentrinnbare Gewalten treiben sie, so zu handeln, so zu lieben. Immer glaubt sie fest an ihre Liebe und immer kommt wieder ein anderer und beweist ihr, daß es eine Täuschung war. Nicht in der Liebe findet sie sich, nicht in der Kunst – in ihrem Kinde findet sie sich aus einem Leben, das sie in die Irre gejagt.
Früher ist erschienen:
F. Gräfin zu Reventlow
Von Paul und Pedro
Amouresken
Umschlag und Einband von Alphons Woelfle