Der Professor kam mit einer Dame, zog sie auf einen Stuhl nieder und sagte bewundernd:

»Ist sie nicht unglaublich schön?«

Susanna flüsterte ihm ins Ohr: »Um Gottes willen – sie ist furchtbar –«

Er erschrack, betrachtete sie von der Seite und fragte leise zurück: »Wirklich?«

Das wiederholte sich noch ein paarmal im Laufe des Abends – er brachte immer neue Wesen und wollte, daß man sie schön fände. (Manchmal waren sie auch ganz nett.) Später mischte ich mich in das Gewühl, ich traf Willy, der nach Maria suchte. Schließlich sahen wir sie mit Heinz und seinen Freunden.

»Ja, dann ist es umsonst,« sagte Willy betrübt. »Die Enormen geben sie nicht her – sehen Sie, der dort ist Hallwig, – er ist entschieden ein ungewöhnlicher Mensch; ich möchte ihn schon lange kennen lernen, aber er hält sich vollständig zurück und verkehrt nicht mit belanglosen Leuten, wie ich und Sie – nehmen Sie es nicht übel, Herr Dame – –«

»O gewiß nicht, und Maria?«

»Maria ist eben ›enorm‹ – sie ist heidnisch, und Götter wohnen in ihrer Brust. – Damit haben Sie ganz recht, und wir finden es ja auch, aber man kann sich nicht darüber verständigen. Maria liebt die Enormen, und sie liebt uns – sie liebt überhaupt alles, aber man sieht es nicht gerne, daß sie so universell ist und vor allem ihren Verkehr im Eckhaus – wir ziehen sie herunter, wir sind Schmarotzer und Vampire an ihrer Seele.«

Er war ganz traurig. Ich betrachtete den genannten Hallwig genauer – ich hatte ja auch schon gemerkt, daß Heinz es vermeidet, mich mit ihm bekannt zu machen. (Woher wissen sie denn so genau daß ich »belanglos« bin?) – Ein auffallend schöner Mensch, und Maria scheint ihn sehr zu lieben. Vielleicht war sie deshalb heute abend im Eckhaus so melancholisch und verstand mich so gut.

»Und wer ist der kleine Brünette, der so zärtlich den Arm um sie legt?«