»Das ist Konstantin, der Sonnenknabe, er ist auch enorm, und deshalb darf er alles – er darf sogar Maria lieben. Bei ihm ist es eben das Enorme, daß er alle Frauen liebt, auch wenn er sie eigentlich gar nicht mag – dann läßt er sich wenigstens lieben – die Mädchen sind alle hinter ihm her – Sehen Sie, lieber Dame, ich habe gar nichts gegen die Enormen, ich verehre sie sogar aus der Ferne, und ziemlich hoffnungslos – denn sie schätzen meine Rasse nicht – sie lassen nur blonde Langschädel gelten, und ich sehe so äthiopisch aus – aber wenn sie die Mädchen gegen uns beeinflussen – –«
Ich sagte ihm, daß ich das wieder nicht verstände: »Überall sind mysteriöse Gemeinschaften, man hört von Satansmessen, Orgien, Magie und Heidentum sprechen wie von ganz alltäglichen Dingen, dann wird wieder getanzt und Tee getrunken, aber selbst beim Tee gibt es Geheimnisse und verschlossene Türen, hinter denen vielleicht ein Magier sein Wesen treibt.«
»Ja, so ist es wohl,« seufzte Willy, »und es gab eine Zeit, wo auch ich gerne Zauberlehrling werden wollte, man hatte mich schon halb und halb akzeptiert. – Aber schauen Sie einmal dorthin!«
Wir sahen, wie Orlonski, der Henker, Maria mit Gewalt zum Tanzen fortzog, – den Sonnenknaben schob er einfach beiseite, und der schien es auch gar nicht übelzunehmen. Aber der Henker war sichtlich gereizt, und als dann beim Tanzen irgendein junger Mensch aus der Menge Maria ansprach, ließ er sie stehen und warf ihn buchstäblich an die Wand, fuhr dabei mit der Hand in sein eigenes Dolchmesser, das offen am Gürtel hing, und verletzte sich ziemlich erheblich. Nun gab es erregte Auseinandersetzungen – dieser Orlonski scheint ein rabiater Herr zu sein. – Plötzlich stand auch der Indianer daneben – Orlonski und er maßen sich nur mit den Blicken, dann folgte Maria dem Indianer, und Susanna beschwichtigte Orlonski mit Zärtlichkeit. Man sah sie nachher beständig zusammen. Am Hofmannschen Tisch wurde noch viel über diese Szene gesprochen. Es lag sicher wieder eine mysteriöse Bedeutung darin, die ich nicht durchschauen konnte. Adrian wollte den Henker zu seiner Orgie einladen, und die kappadozische Dame fragte:
»Haben Sie gesehen, wie seltsam er sich benahm«, – sie meinte den Indianer.
»Nein – wieso?«
»Er sagte kein Wort, aber er erbleichte, als er Blut fließen sah – Sie wissen doch, Blut –«
Nun wurde es mir zuviel, ich stand auf und irrte verlassen durch die festliche Menge. Wie eine unaussprechliche Erleichterung empfand ich es, als der Philosoph neben mir auftauchte.
»Wie geht es Ihnen, Herr Dame? Wozu hat man Sie heute verurteilt?«
»Ich fürchte zum Wahnsinn – cher philosophe – ich weiß nicht, was in diesem rätselhaften Stadtteil aus mir werden soll, und doch läßt es mir keine Ruhe, dahinter zu kommen.«