»Mirobuk!« sagte er gütig, »kommen Sie doch morgen nachmittag etwas zu mir.«


Ja, ich frage ganz im Ernst, ob es nicht ein bedenkliches Symptom für meinen inneren Zustand ist, daß das bloße Wort – Mirobuk – so beruhigend auf mich wirkt, – wie eine Zauberformel, die den Bann zu lösen vermag; denn es ist wohl eine Art Bann, der mich hier immer wieder umfängt. Ich weiß nicht, was Mirobuk bedeutet, wo er es her hat, und was es eigentlich heißen soll, ich will es auch gar nicht wissen – es ist nur die Art, wie er es anwendet, – man ahnt gleichsam, daß hinter den verworrensten Widersprüchen doch noch irgendwo Klarheit zu finden sein könnte.


6

14. Januar

Heute – gestern – vorgestern – ich muß mich erst wieder besinnen, wie die Tage sich folgten.

Mittwoch war das Fest, und am Donnerstag nach Tisch machte ich mich noch ziemlich schläfrig auf den Weg, um der freundlichen Einladung des Philosophen zu folgen. Unterwegs fiel mir ein, daß bei Hofmanns Jour war und ich wohl auch dorthin gehen müsse. Frau Hofmann hatte mir gesagt, es werde heute wahrscheinlich Delius kommen, und ich sollte ja nicht versäumen, ihn persönlich kennen zu lernen. Er sei eine der bedeutendsten Erscheinungen des heutigen Deutschlands – ich glaube sogar, sie sagte »Germaniens«, und mir ist nicht recht klar, wie sich das mit seiner römischen Substanz vereinigen läßt.

So bat ich Sendt, nach einer angenehmen, friedlichen Teestunde, ob er nicht mitgehen wolle. Er zeigte sich nicht sehr aufgelegt, entschloß sich aber endlich doch.