»Ja, aber wenn nun Luther katholisch geblieben wäre – –«
»Aber Lotte!« – fuhr ihr Gatte mit einem strafenden Blick dazwischen, und sie hielt inne.
Delius war ganz in seine Gedanken versunken, er stand da, wiegte langsam den Kopf hin und her, nahm einen Schluck Tee und sprach noch einmal dumpf vor sich hin:
»Ja, das sind allerdings sehr geheimnisvolle Dinge.« Dann ergriff wieder die kappadozische Dame das Wort – der Professor wanderte derweil unruhig hin und her, und es machte den Eindruck, als ob er sie gerne daran gehindert hätte.
»Ich glaube, ich verstehe jetzt, was Sie damit sagen wollen, aber meinen Sie, daß Luther wirklich ein Jude war oder haben Sie sich nur bildlich ausgedrückt?«
»Nun, – mancher ist ein Jude, ohne es zu wissen,« sagte Delius monoton und abwesend.
»Und mancher andere ist keiner, obwohl er dafür gilt,« bemerkte ein schlanker, schwarzer junger Mann, der neben mir stand.
»Gewiß, gewiß, ich will nicht leugnen, daß auch dieses vorkommen kann,« antwortete Delius kurz.
Die Frau des Hauses flüsterte indessen mit dem Maler, er raffte seine Blätter zusammen und verschwand in dem dritten Zimmer. Der Professor zog einige Jünglinge hinter sich her und folgte ihm.