Delius war immer noch apathisch und in Gedanken verloren stehen geblieben, der Philosoph suchte nun wieder irgendeine Unterhaltung in Gang zu bringen und sprach von seiner Sommerreise in Italien. Übrigens war auch Maria inzwischen erschienen und gesellte sich zu uns, man gruppierte sich um einen kleinen Tisch, und Sendt erzählte, wie er an einem heißen Tage auf Capri alleine auf den Hügeln umherwanderte, wo sich die Ruinen von dem Schloß des Tiberius befinden. Die Landschaft sei im Mittagssonnenlicht wie verzaubert dagelegen, und plötzlich hätte ein kleiner weißhaariger Mann neben ihm gestanden, der aus den Ruinen hervorgekommen sein mußte – er trug einen merkwürdigen Mantel und sein bartloses Gesicht zeigte ein ausgesprochen römisches Profil – Delius begann aufzuhorchen – »Er hatte eine Blume in der Hand,« erzählte Sendt weiter, »und reichte sie mir, wünschte mir guten Tag und verschwand, ohne ein weiteres Wort zu sagen, wieder in dem Gemäuer dicht neben mir, nachdem ich ihm noch einen Obolus in die Hand gedrückt hatte.«

Delius erkundigte sich eifrig nach dem Schnitt des Mantels, – ob es nicht vielleicht ein römisches Obergewand gewesen sein könnte?

»Und die Blume – war es nicht eine kleine, blaue Sternblume?«

»Ja, das stimmt wirklich,« antwortete der Philosoph.

»Nun, so ist es zweifellos jene Blume gewesen, welche Tiberius seiner Zeit aus Persien mitgebracht und in seinen Gärten angepflanzt hat.«

»Wohl möglich,« sagte Sendt, – »und wenn Sie jetzt behaupten wollen, der Mann sei ein altrömischer Krieger gewesen, so muß ich offen sagen, sein plötzliches Erscheinen und die ganze Begebenheit in der glühenden Mittagssonne war so spukhaft, daß ich es kaum bestreiten würde.«

»Sehen Sie,« warf nun Frau Hofmann ein und blickte auf den Philosophen, als ob sie ihn endlich überführt hätte, »das war doch sicher ein kosmisches Erlebnis.«

Ich erwartete ein erlösendes Mirobuk, aber er sprach es nicht aus, sondern bedeutete mir etwas nervös, daß wir jetzt gehen wollten. Delius schüttelte ihm mit plötzlicher Herzlichkeit die Hand, dann ging er mit kurzen, entschlossenen Schritten auf das dritte Zimmer zu und murmelte unterwegs noch etwas von Tiberius vor sich hin.

Maria schloß sich uns an und wollte durchaus in einer Bar soupieren.