Nein, natürlich hatte ich nichts dagegen, – seine frische unbekümmerte Art war mir ganz sympathisch.
Er zog nur seinen Frack aus und hängte ihn über die Stuhllehne, dann warf er sich auf den Diwan.
»Wissen Sie – ich habe schon manchmal hier geschlafen, – wenn ich meine Schlüssel vergessen oder mich verspätet hatte. Ein oder das andere Fenster ist immer offen, und die Eckhäusler wundern sich nie, wenn sie morgens irgendeinen Bekannten vorfinden – besonders im Karneval, – es ist wirklich ein gastfreies Haus –«
Ich konnte noch lange nicht einschlafen, der Mond schien gerade ins Fenster, und der schwarze Frack hing so gespenstisch über die Stuhllehne, daß ich jeden Augenblick emporfuhr und meinte, es stände jemand vor mir. Ich dachte noch über Maria nach – es ist soviel Verhängnis um sie, – da tobt sie nun heute nacht mit dem Sonnenknaben und den Enormen, und vielleicht liebt sie auch den Mann, der dort drüben schläft. Und morgen liegt sie selbst wieder hier auf dem Diwan, und wir unterhalten uns müde über unsere Biographien. Wir verstehen uns, wie nur zwei Verurteilte sich verstehen können – eine andere Liebe ist nicht zwischen uns. Hallwig nennt so etwas den Eros der Ferne – hat Maria mir gesagt – früher hätte ich das überhaupt nicht verstanden und mir nichts darunter vorstellen können.
Als ich aufwachte, war der Frack fort und sein Besitzer verschwunden. Susanna stand am Tisch und betrachtete sinnend ein Paar weiße Glasseehandschuhe, die er anscheinend vergessen hatte. Dann lächelte sie mich an:
»Lieber Dame, kommen Sie doch mit zum Frühstück hinauf, wir haben ein paar Leute mitgebracht.«
Es ist sieben Uhr morgens. Sie sind eben erst heimgekommen – die ganze Küche voll kostümierter Gestalten. Ich weiß nicht, ob ich wache oder träume. Man sitzt bei Lampenlicht um den Frühstückstisch, die Mädchen haben Kränze auf dem Kopf, sehen blaß und glücklich aus.
Susanna legt die weißen Handschuhe vor Maria hin:
»Gilt das mir, oder gilt es dir?«