»O, Susanna macht es wie die Sonne, sie geht in Wirklichkeit nicht unter – sie geht nur um die Erde herum und scheint dann über irgendwelchen anderen Ländern. Beim Schlaftag kommt es ihr nur darauf an, daß jeder in seinem Zimmer bleibt – sie gibt dann Gastrollen, besucht eine Niederlassung nach der anderen und schläft da, wo sie gerade ist, noch ein paar Stunden weiter.«


Chamotte ist mit dem Kind ausgegangen, das ganze Haus liegt in tiefem Schweigen. Die Türglocke hat man vorsorglich abgestellt. Maria ist inzwischen einmal aufgewacht und hat gefragt, wer denn hier nebenan sei. Wir haben ihr Kaffee hineingebracht und ein wenig geplaudert, dann ist sie wieder eingeschlafen – die weißen Glacéhandschuhe, die Susanna ihr heute morgen gegeben, liegen auf dem Tischchen am Bett.

Allmählich wird es Nachmittag, und Susanna erscheint mit Tee und Brötchen. Ihr Lächeln ist heute etwas resigniert:

»Onski hat Migräne,« sagte sie, »und steht nicht auf. Da werden wir wohl heute und morgen fasten müssen. Ich glaube, es ist am besten, wenn wir nachher unsere Kostüme wieder anziehen und heute abend auf den Gauklerball gehen. – Die anderen wollen wir gar nicht erst wecken, das Weitere wird sich hier dann schon irgendwie entwickeln,« sie seufzte ein bißchen – »ach Gott, es ist wirklich keine Kleinigkeit, wenn die Verantwortung für so vieler Leute Wohlergehen auf einem ruht.«


Ermattet legt sie sich auf die Polster in die Nähe des Ofens, schließt die Augen und scheint in eine Art Halbschlaf zu versinken. Willy und ich sprechen mit gedämpfter Stimme weiter – hier und da ermuntert Susanna sich ein wenig, beteiligt sich am Gespräch oder langt nach ihrer Teetasse. Unvermerkt geraten wir wieder auf die heidnischen Ideen und ihre Verwirklichung in unserer heutigen Welt. Ich erzähle von meiner nächtlichen Unterhaltung mit dem Herrn im Frack.

»Ach, der Georg,« – sagt Willy – »er möchte sie immer noch gerne heiraten, und ich nenne ihn den standhaften Zinnsoldaten – Maria ärgert sich darüber, aber sie hat immer einen oder den anderen Zinnsoldaten, als Gegengewicht oder zur Erholung von ihrer heidnischen Betätigung.

Ein Wort gab das andere, und ich erkundigte mich mit größtmöglicher Diskretion, ob es etwa Marias Kind sei, das hier im Hause wohne. Susanna hatte gerade einen wachen Moment und richtete sich halb auf.

»Aber ich bitte Sie – das ist doch meins – –«