»Ihres? – –«

»Ja, natürlich – wußten Sie das nicht?«

»Woher sollte ich das wissen, das Kind ist einfach da, und man hat niemals davon gesprochen, wem es gehört.«

»Marias Kind – ja, Maria ist ein komplizierter Fall« – erläuterte Willy dann weiter, »Sie müssen wissen, – in Heidenkreisen hatte man schon lange die Frage aufgeworfen, wie es mit der Vereinigung von Mutterschaft und Hetärentum stände – beides natürlich in möglichster Vollendung gedacht –, aber die Beobachtung an lebenden Objekten war immer ziemlich ungünstig ausgefallen. Die Mädchen, die als Hetären in Betracht kamen, hatten eben keine Kinder und waren froh, daß sie keine hatten. Andere wünschten sich wohl Kinder, strebten dann aber nach Heirat und gaben das Hetärentum auf. – Nun tauchte Maria hier in aller Fröhlichkeit mit ihrem Lebenswandel und einem Baby auf. Durch ihr bloßes Dasein, in dem sie unbewußt, aber mit ›königlicher Selbstverständlichkeit‹ – so sagt man dort – ihren heidnischen Instinkten nachgelebt hatte, stellte sie das gelöste Problem: Mutter und Hetäre dar und wurde sehr gefeiert.«

»Ja, Ähnliches hat mir der Herr von gestern nacht – der Zinnsoldat, wie Sie ihn nannten – schon erzählt.«

»Ach der,« meinte Willy wegwerfend –, »der versteht schon gar nichts davon und hat keine Ahnung von Marias eigentlichem Wesen. Die Zinnsoldaten sind eine schwache Seite von ihr – ich glaube überhaupt von den meisten Frauen, aber sie sind ihnen nicht abzugewöhnen« – er warf einen wehen Blick auf Susanna, und sie lächelte halb im Schlaf.

»Also Maria – – –«

»Ja, Maria wurde fortan als Paradigma hingestellt, als lebendes Symbol für heidnische Möglichkeiten. Es haben dann noch ein oder zwei andere Mädchen Kinder bekommen – offizielle Kinder, die nicht geheimgehalten wurden, aber sie machten nicht mehr soviel Eindruck. Und Maria beklagt sich bitter darüber, daß man sie von nichtheidnischer Seite gewissermaßen dafür zur Verantwortung zieht und die Sache so hinstellt, als mache sie Propaganda für liederliches Leben und illegitime Kinder – –«

Susanna setzte sich auf und gähnte:

»Mein Gott, redet ihr schon wieder von illegitimen Kindern? Ich hätte gar nicht gedacht, daß Herr Dame sich so dafür interessiert.«