Maria ist ein Bild der inneren Zerrissenheit.
»Ich pfeife auf die Substanzen,« sagt sie gequält (und das ist die furchtbarste Lästerung, die man hier aussprechen kann), »aber einen Bruch mit Hallwig überlebe ich nicht.«
»Dann brich mit mir,« schlägt Konstantin wehmütig vor, und statt der Antwort fällt sie ihm um den Hals:
»Ach Unsinn, wie sollten wir das wohl machen? Aber was soll jetzt aus dir werden?«
»Vorläufig können wir ihn hier noch verstecken,« meint Susanna, »nur auf die Länge wird es schwerlich gehen.«
Marias Zorn wendet sich jetzt gegen die Freundin; sie wirft ihr vor, daß sie nur ihren Panther behalten wolle, auch wenn er seinen Blutdurst an ihren besten Freunden zu stillen suchte. Susanna gibt das zu, hält es aber für berechtigt, weil sie ihn liebte, – Maria wolle doch auch weder von Konstantin noch von Hallwig lassen. Kurz, es ist kein Ausweg zu finden, wer wen aufgeben soll, und was überhaupt dadurch erreicht würde.
Trotzdem wir alle geschwiegen haben, ist der Sturz des Sonnenknaben und der nächtliche Überfall schon in ganz Wahnmoching bekannt und hat allgemeine Beunruhigung hervorgerufen. Unwillkürlich drängt sich wohl allen die Frage auf, ob nicht noch weitere unvorhergesehene Geschehnisse eintreten, weitere Opfer gefordert werden können, – und ob es dann immer so glücklich abläuft wie in diesem Fall.
23. …
War es Vorahnung, daß ich diese Worte hier niederschrieb, oder beginnt schon unsere erregte Phantasie ihr Spiel mit uns zu treiben? Schon eine ganze Weile hat keiner von uns den Philosophen gesehen, obgleich ich ihn in seiner Wohnung und im Café verschiedentlich aufzufinden suchte. Er pflegt sich auch sonst hier und da im Eckhaus sehen zu lassen.