Ich machte mir schon allerhand Gedanken darüber, – sollte er mich vermeiden, weil ich zu viel frage? Aber es war kaum anzunehmen, denn seine Langmut ist groß, und er hatte uns ja aus freiem Antrieb noch ein theoretisches Souper in Aussicht gestellt.
Da kam nun gestern Adrian ins Eckhaus und berichtete, der Philosoph sei allem Anschein nach wirklich verschwunden. Er hätte ihn vor zirka zehn Tagen, in ein langes Cape gehüllt, das er sonst niemals trägt, in der Richtung auf die Stadt zu gehen sehen – und Sendt ging ganz gegen seine Gewohnheit so rasch, daß man ihn unmöglich einholen konnte. Aber seitdem habe ihn niemand mehr erblickt.
»Wer weiß,« sagte Adrian achselzuckend, »wer weiß, ob da nicht schon magische Einwirkungen im Spiel sind; das lange Cape war gar zu auffallend, und der Philosoph ist ihnen immer etwas unbequem gewesen. Wir wissen ja doch alle nicht, wann es anfangen soll. Der Professor tut in letzter Zeit ganz besonders geheimnisvoll und will selbst die harmlosesten Fragen nicht mehr beantworten. Er ist öfters mit Hallwig zusammen – vielleicht können sie es schon – –« er brach ab und räusperte sich bedeutungsvoll, »übrigens, Monsieur Dame – es hat mich sehr gefreut, Sie kennen zu lernen, und ich hoffte, wir würden noch häufig zusammenkommen, aber so, wie die Sache liegt« – wieder machte er eine Pause und fuhr dann sehr lebhaft fort, »nein – ich habe eingesehen, daß Wahnmoching doch nicht der rechte Boden für mich ist – wahrscheinlich auch für Sie nicht und für niemanden, der noch irgendwelchen Wert auf seine Individualität legt. – Sie wissen doch, daß ich einen Band Gedichte herausgeben wollte – ja? – Nun, eben in diesem Gedichtband behandle ich verschiedene Dinge, von denen hier in unserem Vorort viel die Rede ist; jeder weiß von ihnen, alle sprechen darüber. Ich lese also neulich dem Professor daraus vor, zufällig ist auch jener Herr mit der Wikingersubstanz zugegen, der den armen Sonnenjungen – wie heißt er doch gleich?«
»Ich weiß es auch nicht – Sie meinen wohl den Panther?«
»Ja, richtig, eben, dieser Panther war dabei, sagte kein Wort und schien sogar Gefallen daran zu finden. Aber ein paar Tage später erfahre ich, daß man mich beschuldigt, schwerwiegende Geheimnisse profaniert zu haben. Was sagen Sie dazu?«
Ich fand es sehr bedauerlich.
»Bedauerlich? – ja, das ist das rechte Wort – glauben Sie mir nur, Monsieur Dame, es haben wohl wenige so schöne, ja verwegene Hoffnungen auf die Bewegung unseres Stadtteils gesetzt wie gerade ich. Mit Freuden wäre ich bereit gewesen, meine Persönlichkeit und mein Talent in ihren Dienst zu stellen, aber in meinem Schaffen, in meiner künstlerischen Individualität will ich unbehelligt bleiben und sie nicht derartigen Verdächtigungen preisgegeben sehen. – Zudem fühle ich gar keine Neigung, mich ebenfalls einem Renkontre auf der kosmischen Wiese auszusetzen.«
Er wollte dann noch Susanna Adieu sagen, und wir ließen sie rufen. Sie war sehr betroffen und äußerte ihr Bedauern.
»Ja, teure Susanna, wenn Sie es nicht besser verstehen, Ihre Raubtiere zu zähmen.«
»Glauben Sie, daß auch Sendts Verschwinden mit ihm zusammenhängt,« fragte sie schuldbewußt; es bedrückte sie sichtlich, daß hier schon wieder der Panther im Spiel war.