»Nein, im Zionismus – aber, Herr Dame,« setzte sie fast erschrocken hinzu: »ich bitte Sie, hierüber strengstes Stillschweigen zu bewahren.«
Des weiteren erfuhr ich, daß selbst Hallwig noch nicht darum wisse. Er ist zurzeit verreist, um mit einem Kapitalisten über die Gründung der Heidenkolonie zu unterhandeln, der Panther begleitet ihn. (Sollte Susanna deshalb gestern so verweint ausgesehen haben?) Erst bei seiner Rückkehr gedenke man ihn damit zu überraschen, und dann stehe nichts mehr im Wege, daß alles, selbst das Unerhörteste, sich erfülle.
Sie dachte wohl, daß mich auch ihr persönliches Leben interessiere, denn sie vertraute mir an, auch für sich selbst erhoffe sie neue geheimnisvolle Kräfte und mache zu diesem Behuf eine innere Läuterung durch. Mit Magie, – ja, früher habe sie sich wohl mit Magie beschäftigt, aber sie habe längst erkannt, daß es ein Irrweg sei, vor dem man nicht genug warnen könne.
Ja, das wäre es wohl, meinte ich, da ich nichts anderes zu sagen wußte, und nun sah sie mich prüfend an: »Wissen Sie, Herr Dame, daß Sie eigentlich ein sehr interessanter Mensch sind, und daß man hier viel von Ihnen spricht? Man vermutete auch allerhand Wesenseigentümlichkeiten bei Ihnen, die wohl zu Ihrer Aufnahme in den internen Kreis führen können, und soweit es in meinen Kräften steht, will ich mich gerne für Sie verwenden.«
Und schließlich gab sie mir noch den Rat, meinen Verkehr im Eckhaus etwas mehr einzuschränken. Die Mädchen dort nähmen es ja doch nicht ernst mit dem Heidentum, sondern es diene ihnen nur als Vorwand, sich in schrankenloser Weise zu vergnügen. Maria – und sie schüttelte bedenklich den Kopf – Maria, die einem Hallwig hätte nahe sein dürfen, die sich aber trotzdem immer mit zweifelhaften Elementen umgebe und dadurch seine Kreise störe – –
Ach, was sollen mir alle diese Ratschläge? Adrian empfahl mir dringend, so bald wie möglich Wahnmoching zu verlassen; und nun wieder die Kappadozische mit ihrer Warnung vor dem Eckhaus. – Was man guten Rat nennt, geht wohl immer nur darauf hinaus, zu lassen, was man durchaus nicht lassen kann, oder zu tun, wozu man nicht imstande ist, überhaupt den eigentlichen Sinn aus dem Leben wegzunehmen und seinen besten Inhalt zu streichen.
8. April