»Aberglaube – was ist das?« fuhr nun der Professor auf.
»Ich denke, Herr Professor, im allgemeinen bedeutet es wohl einen Gegensatz zum wahren Glauben – aber manchmal hat auch der Aberglaube seine Berechtigung.«
Hofmann entgegnete gereizt, daß ihm darüber nichts bekannt sei, und die Stimmung wurde so frostig, daß wir alle froh waren, als sie aufbrachen.
Delius blieb noch etwas länger und fragte, ob wir bemerkt hätten, daß der Professor neuerdings eine gelbe Krawatte trage. Das habe er früher nie getan »und es ist eine sehr bedenkliche Farbe«. Maria war an diesem Tage ungewöhnlich reizbar. »Was gehen mich seine Krawatten an,« sagte sie, »meinetwegen soll er sie Jadwigas schwarzem Hund umbinden.« Delius sah sie erstaunt an und äußerte in tiefem Ernst: »Damit haben Sie wohl das Richtige getroffen – aber es bleibt noch abzuwarten, ob es ihm gelingen würde, den schwarzen Hund auch zu erdrosseln.«
Ich habe keine Ahnung, was er damit meinte. Und der Philosoph ist nicht da.
April
Ich ging im Stadtgarten spazieren und begegnete der kappadozischen Dame. Sie war allein und ich konnte nicht umhin, mich ihr anzuschließen. Anfangs war es mir nicht ganz recht, denn ich wollte ungestört meinen Gedanken nachhängen, aber dann tat es mir ganz wohl, aus meinen Grübeleien herausgerissen zu werden, und sie war sehr gesprächig, war voller Mut und Zuversicht.
Warum ich mich nicht öfter bei Hofmanns sehen lasse, – ob ich denn gar nicht wisse, was dort vorgehe? – Die Jadwiga, – ja, dieses wunderbare Wesen wäre ohne Zweifel dazu bestimmt, außerordentliche Dinge zu vollbringen. Und freudestrahlend erzählte sie mir, die Zeit, der man so lange schon entgegengehe, wäre nunmehr nahe herangekommen, – ganz nahe; und zwar sei es Hofmann, der die Möglichkeit zu einer neuen Blutleuchte entdeckt habe, – eine Möglichkeit, an die bisher niemand gedacht.
»Im Karneval?« fragte ich.