28. …
Wir fühlen uns ungemütlich …
Kein Philosoph mehr, kein Adrian, kein Sonnenknabe, – denn auch der hat es vorgezogen, Wahnmoching vorläufig zu verlassen.
Und wir haben mancherlei peinliche Situationen zu überstehen. Der Panther hat eine förmliche Haussuchung abgehalten, da er Konstantin hier vermutete. Maria gab sich keine Mühe, ihren Unwillen zu verbergen, und hetzte die beiden männlichen Hausbewohner gegen ihn auf, so daß es vorher, nachher und währenddem zu sehr unangenehmen Erörterungen kam und Susanna einen schweren Stand hatte.
Am gleichen Tage besuchte uns Hofmann mit der Jadwiga, und eine halbe Stunde darauf stellte sich auch Delius ein. Dies Zusammentreffen war beiden Teilen anscheinend nicht willkommen. Die Polin ist sehr gesprächig, sie erzählte wieder viel aus ihrem früheren Leben, und Delius verfolgte alles, was sie sagte, mit der Aufmerksamkeit eines Detektivs. Wenigstens kam es uns so vor, und der Professor war äußerst nervös.
Willy versuchte manchmal eine scherzhafte Ablenkung und fragte unter anderem, ob sie wieder den schwarzen Hund im Traum gesehen habe.
»Ja, sehr oft,« antwortete sie ernsthaft, worauf Delius sich erkundigte, was es denn mit dem schwarzen Hund auf sich habe. Jadwiga erklärte ihm, sein Erscheinen bedeute Abtrünnigkeit, Unheil und Verwirrung, – auch wenn jemand von ihren näheren Bekannten sich selbst untreu werde, pflege er sich einzustellen.
»O, das ist ja sehr interessant,« äußerte Delius, »– wissen Sie denn auch jedesmal, auf wen der Traum sich beziehen soll, Fräulein Jadwiga?« Er sah sie dabei höflich, aber mit steinernem Blick an, sie wandte ihm ihr bleiches Gesicht mit den brennenden Augen zu und erwiderte langsam: »Nein, Herr Delius, das stellt sich meistens erst später heraus.«
Hofmann sah, während diese Worte fielen, über alle Anwesenden hinweg zum Fenster hinaus, und Susanna meinte versöhnlich: »Ach, das ist doch einfach ein Aberglaube.«