"Doch, doch," rief Georg V., "der Cabinetsrath hat vollkommen Recht. Lassen Sie durch Lumé de Luine ein Schreiben an den Kaiser Napoleon aufsetzen, worin ich ihm die Gründe meiner Maßregeln auseinandersetze, ihm für den Schutz, den er bisher den hannöverschen Emigranten gewährt hat, danke und zugleich erkläre, daß die Auflösung der Legion lediglich durch finanzielle Rücksichten geboten sei und daß ich trotzdem niemals aufhören würde, jede Gelegenheit zu ergreifen, um für mein verletztes Recht zu kämpfen."

Der Kronprinz wollte Etwas bemerken, rasch aber stand der König auf und sagte:

"Ich danke Ihnen, meine Herren, ich will allein sein."

Flüchtig berührte er mit den Lippen die Stirn des Kronprinzen, welcher sich ihm näherte und dann das Cabinet verließ. Graf Platen und der Geheime Cabinetsrath folgten und der König blieb allein.

Er ließ den Kopf auf die Brust niedersinken. Längere Zeit hörte man in dem stillen Zimmer Nichts als die tiefen, unruhigen Athemzüge, welche seine Brust bewegten.

"Welch ein hartes, schweres Schicksal," rief er dann.—"Ich habe meinen Thron und mein Königreich verloren! Ich bin von meinem Volk getrennt, dessen Glück die ganze Kraft und Arbeit meines Lebens gewidmet war, und nun muß ich es erleben, daß auch Diejenigen, welche mein Unglück theilten, und welche in der Verbannung mir treu geblieben, sich von mir wenden. So hat," rief er schmerzlich aus, "diese Zeit alle Begriffe verwirrt, alle sonst so heiligen Bande gelockert, daß sogar die Officiere meiner Armee, dieser Armee, welche so heldenmüthig und opferfreudig sich für mich geschlagen, mir nicht mehr vertrauen und sich gegen mich auflehnen!"

Er stand auf und blieb vor seinem Stuhle stehen. Schmerzlich zuckte sein edles Gesicht und die blicklosen Augen wandten sich umher, als wollten sie mit gewaltiger Willensanstrengung das Dunkel durchbrechen, welches ihn umgab.

"Wer zeigt mir," rief er, "wo die Wahrheit liegt, wo der rechte Weg ist, den ich zu gehen habe! Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen meine Beschlüsse gefaßt, ich habe gethan, was ich für meine Pflicht hielt,—und nun finde ich mich einsam und verlassen, verlassen von Denen, welche ich für die Treuesten hielt! Fast möchte ich irre werden an dem, was ich für recht erkannt, denn Diejenigen, welche jetzt meinem Willen widerstreben, habe ich stets als fest und muthig erkannt. Und die mich hier mit Rath umgeben—"

Er seufzte tief auf.

"Ich weiß, wie viel dem Grafen Platen zu den Eigenschaften fehlt, welche den großen Staatsmann machen, ich weiß, wie leicht er zu beeinflussen ist.—Und doch, doch kann ich nicht anders handeln, ich habe die Mittel nicht mehr, den Kampf in der Weise fortzusetzen wie bisher. Und jene Emigranten, die ich ferner nicht unterstützen kann, werden ja, wenn sie von derselben Begeisterung für ihre Sache erfüllt sind, welche einst ihre Väter auf allen Schlachtfeldern Europa's für ihren König kämpfen ließ, Mittel finden, sich mir dennoch zu erhalten und vielleicht—