Freundlich erwiderten die Officiere seinen Gruß, als er an ihren Tisch trat.
"Ich begreife nicht, meine Herren," sagte er, "wie Sie es aushalten können, in dieser Kälte hier auf der Straße zu sitzen, dazu muß man ein geborner Pariser sein, welcher gar kein Maß und keine Empfindung für die Grade der Kälte hat. Ich für meine Person friere hier mehr, als ich es je in meinem nordischen Vaterlande gethan habe und kann mich nicht dazu verstehen, mich im Winter in's Freie zu setzen."
"Sie sehen so vergnügt aus," sagte Herr von Tschirschnitz zu dem
bekannten dänischen Journalisten und Agitator für die Sache Dänemarks,
Herrn Hansen, "haben Sie Aussicht, daß der Artikel V. des Prager
Friedens endlich ausgeführt wird?"
Herr Hansen wehrte mit der Hand ab.
"Sprechen Sie mir nicht davon," sagte er halb lächelnd, halb mißmuthig, "dieser Artikel V. ist eine Schraube ohne Ende, an welcher man fortwährend dreht, welche aber niemals weiter kommt. Was habe ich mir für Mühe gegeben, daß dieser Artikel in den Prager Frieden aufgenommen werden möchte. Nun ist es geschehen, und meine Landsleute sind so weit wie sie waren. Man hat ja hier nicht einmal die Courage, ein lautes Wort für unser Recht zu sprechen, geschweige denn wird man jemals Etwas dafür thun."
"Glauben Sie denn, daß die Schwachheit und Unthätigkeit," fragte Herr von Düring, "mit welcher die Regierung hier gegenwärtig zu verfahren scheint, ewig dauern wird? Ich sehe," fuhr er fort, "daß in militärischen Kreisen eine große Thätigkeit herrscht, und man thut dort überall so, als ob eine mächtige Action unmittelbar vor der Thüre steht."
"Bah," sagte Herr Hansen, "das weiß ich nicht, danach müssen Sie Nélaton fragen."
"Nélaton?" fragte Herr von Tschirschnitz etwas erstaunt, "macht der
Doctor Nélaton jetzt die Politik?"
"Er kann wenigstens allein wissen," erwiderte Herr Hansen, "ob und wann der Kaiser im Stande sein wird, überhaupt wieder Politik zu machen. Wenn man jetzt wissen will, was geschehen wird, so muß man nicht die Minister, sondern die Leibärzte fragen. Sehen Sie doch die Zeitungen an," sprach er weiter, "die wichtigsten Mittheilungen darin sind die Nachrichten über das Befinden des Kaisers. Das ist das Zeichen der Zeit. Die öffentliche Meinung fühlt sehr gut, wo der Schwerpunkt des politischen Lebens liegt, und wo jede thätige Action den Stein des Anstoßes findet."
"Doch," fuhr abbrechend fort, "sagen Sie mir, ist es wahr, daß der König von Hannover seine Legion auseinander schicken und seine Sache aufgeben wird?"