„Sie sind,“ sagte er lächelnd, „allerliebste Sprengbomben von einer gewaltigen Explosionskraft. Man hat garnicht nöthig zu zielen. Man wirst sie eine nach der andern in den Wagen des Kaisers, wenn er vorüber fährt und vor die Füße seines Pferdes, wenn er reitet, und bevor die vierte oder fünfte geworfen ist, wird von Demjenigen, der heute Frankreich zu beherrschen glaubt, nichts mehr übrig sein, als einige kleine in der Luft zerstreute Atome. Um diese Bomben zu werfen,“ fuhr er, die Stimme etwas dämpfend, fort, „gehört ein Mann, welcher fanatisch oder gleichgültig genug ist, um sein Leben an dies Wagniß zu setzen — ein Gleichgültiger,“ fügte er hinzu, „ist mir lieber, als ein Fanatiker, — und dieser Mann ist gefunden.“
Er erhob sich, wandte sich nach der Tiefe des Zimmers, die dunkle Gestalt, welche von den Uebrigen unbemerkt dort bei der Entfernung der Versammlung geblieben war, trat in den Lichtkreis, und man sah einen jungen Mann von höchstens zwanzig bis einundzwanzig Jahren, dessen völlig bartloses, gleichgültiges und etwas stupides Gesicht einen noch fast knabenhaften Ausdruck hatte.
Raoul Rigault ergriff diesen jungen Mann, der einen einfachen Anzug von sogenannter Marengofarbe und einen kleinen runden Hut trug, bei der Hand und sagte:
„Hier ist der Bürger Beaury, welcher von London kommt und bereit ist, den ersten und gefährlichsten Schlag in dem großem Entscheidungskampf für die Rechte der arbeitenden Gesellschaft zu führen. Er wird diese Bombe werfen und den fanatischen Imperator, vor welchem sich heute die blöde Menge in den Staub beugt in die Luft sprengen.“
Tief erstaunt, beinahe bestürzt und erschrocken blickten die drei Andern auf diesen jungen Menschen, welcher da so plötzlich wie aus der Erde hervorgezaubert unter ihnen stand und sie mit einem ruhigen gleichgültigen Lächeln anblickte.
„Wer sind Sie,“ fragte Lermina.
„Ich heiße Beaury,“ erwiderte der junge Mann. „Ich war früher Corporal in der Armee des Tyrannen, seit einem Jahr bin ich Flüchtling in London, Herr Flourens hat mich hierhergeschickt, — hier ist meine Beglaubigung.“
Er zog aus der Tasche seines Rockes ein offenes, etwas zerknittertes
Papier hervor und überreichte es Lermina.
„Ein Brief von Flourens,“ sagte dieser.
„An meine Genossen in Frankreich,“ fuhr er fort, das Papier lesend, „der Ueberbringer dieses, der Bürger Beaury ist bereit und geschickt Alles das auszuführen, was man ihm austragen wird, man kann sich vollkommen auf ihn verlassen. Gustav Flourens.“