Graf Benedetti verneigte sich.

„Es ist mir erfreulich,“ sprach er, „Ihre Ansichten so bestimmt und klar ausgesprochen zu hören. Der ganze Gegenstand,“ fuhr er mit leichtem Ton fort, „ist ja eigentlich keine Frage zwischen uns, Frankreich und Preußen können ihre gegenseitige Stärke ohne jedes Mißtrauen ansehen, es wäre nur ein Entgegenkommen gewesen, welches wir gemeinsam den übrigen Mächten hätten zeigen können —“

„Welche aber ihrerseits,“ fiel Graf Bismarck ein, „ebenfalls fortfahren, unausgesetzt zu rüsten und zwar in weit größerem Maßstabe, als wir, wie ein Blick auf Oesterreich und auf Italien zeigt. Ich glaube, es ist besser, ein für alle Mal diese ganze Frage der Rüstungen unerörtert zu lassen und den Frieden wesentlich auf den guten Glauben und das Vertrauen zu stützen, welches die Regierungen einander entgegentragen. Sie können mir,“ fuhr er fort, „wahrlich den Vorwurf nicht machen, daß ich es an solchem Vertrauen fehlen lasse, und daß ich, wenn irgend Etwas vorkommt, was die guten Beziehungen nach irgend einer oder der anderen Richtung zu verwirren im Stande wäre, nicht sogleich durch offenes Aussprechen die Gelegenheit zur Aufklärung und zur Beseitigung der Mißverständnisse gebe.“

Ein leichter Ausdruck verschärfter Aufmerksamkeit wurde in dem Blick des
Botschafters bemerkbar.

„Ich freue mich,“ sagte er, „daß diese Beziehungen gegenseitiger Offenheit und Aufrichtigkeit zwischen uns bestehen. Gerade dadurch ist es ja so oft schon möglich gewesen, manche Wolke zu zerstreuen, welche die so guten und befriedigenden Verhältnisse zwischen beiden Regierungen hätte trüben können. Gegenwärtig,“ sagte er mit leichtem Lächeln, „sind ja solche Wolken nach keiner Richtung hin vorhanden und —“

„Ganz verschwinden sie niemals,“ fiel Graf Bismarck ein, „denn immer und immer wieder kommen von der einen oder der andern Seite her Mittheilungen, welche bei ängstlichen und mißtrauischen Naturen, zu denen ich nicht gehöre,“ sagte er sich verneigend, „Bedenken und Sorgen hervorrufen könnten.“

Benedetti blickte ihn erstaunt und fragend an.

„Schon vor längerer Zeit,“ sagte Graf Bismarck in ruhigem und fast gleichgültigem Ton, „habe ich Ihnen mitgetheilt, Herr von Usedom hätte uns verschiedene Umstände mitgetheilt, welche fast glauben lassen mußten, daß geheime Unterhandlungen zwischen Frankreich und Italien, bei welchen auch Oesterreich betheiligt sei, stattfänden.“

„Ich habe damals Gelegenheit genommen,“ sagte Graf Benedetti schnell, „in Paris Erkundigungen einzuziehen und Ihnen die Versicherung gegeben, daß die Quelle, aus welcher Herr von Usedom jene Mittheilungen geschöpft hat, eine nicht zuverlässige gewesen sein müsse —“

„Herr von Usedom hat seine Quelle nicht angegeben,“ fiel Graf Bismarck ein.