„Ich will das eiserne Kreuz wieder herstellen,“ sagte der König, indem er wie unwillkürlich die Hände faltete und einen Augenblick die Augen niederschlug, um den feuchten Schimmer zu verbergen, der an seinen Wimpern erglänzte — „das wird die großen, frommen Erinnerungen wach rufen und die Begeisterung jener vergangenen Zeit auch der Gegenwart wieder erwecken. Die Ritter des eisernen Kreuzes sterben aus, ich will das edle Zeichen auch für Dich und Deine Generation,“ sagte er zum Kronprinzen gewendet, „erhalten als ein Vermächtniß der Erinnerung an mich und meinen Vater.“
„Und ich verspreche Dir,“ rief der Kronprinz in mächtiger Erregung, „daß ich nicht ruhen und rasten will, bis ich dies heilige Zeichen mir erkämpft habe.“
Schweigend, voll Liebe und Bewunderung blickten die Minister auf den
König, der noch einige Augenblicke in stillem Sinnen da saß.
Ein langer Pfiff der Lokomotive ertönte. Man fuhr in den provisorischen Potsdamer Bahnhof ein. Bereits war die Dunkelheit des späten Abends herabgesunken, der mit Blumenguirlanden geschmückte Bahnhof war erleuchtet, ein einfacher Kronleuchter hing an der Decke des provisorisch hergestellten königlichen Wartezimmers.
Auf dem Perron erwarteten den König die Spitzen der Behörden, der Magistrat, die Generalität, die Hofchargen und zahlreiche Damen mit prachtvollen Blumenbouquets in der Hand.
Ein mächtiger Hurrahruf erschallte über den ganzen Bahnhofsplatz hin als der königliche Zug am Perron vorfuhr. Auf dem Perron entblößten sich alle Häupter, die Hüte wurden in die Luft erhoben, die Damen wehten mit den Tüchern.
Der König und der Kronprinz stiegen aus.
In der vordersten Reihe stand der greise Feldmarschall Wrangel.
Rasch schritt der König zu demselben hin und reichte ihm die Hand, in tiefer Bewegung beugte sich der Feldmarschall nieder und drückte seine Lippen auf die königliche Rechte.
„Ich begrüße in Ihnen, mein lieber General-Feldmarschall, meine Armee, die von Neuem zeigen wird, daß sie ihrer Veteranen würdig ist.“