Der Feldmarschall wollte sprechen, aber die Stimme versagte ihm einige
Augenblicke.

„Oh warum, Majestät,“ sagte er endlich in abgebrochenen Worten, „warum gehöre ich heute zu diesen Veteranen, warum wollen die alten Glieder heute nicht so vorwärts wie das Herz, das noch immer nicht alt wird.“

„Nun,“ sagte der König, die Hand leicht auf die Schulter des Feldmarschalls legend, „wenn Sie auch heute nicht mehr ins Feld ziehen können, Ihr Geist und Alles, was Sie für meine Armee gethan, das zieht doch mit hinaus und das wird ebenso schwer bei der Entscheidung wiegen, ja schwerer, als die Kraft der jungen Arme, denn der ruhmvolle Geist der Vergangenheit, der in meiner Armee weht, ist es, der sie zum Siege führen wird. Ich werde,“ fügte er freundlich zu dem Feldmarschall gewendet, hinzu, „das eiserne Kreuz wieder herstellen, damit die Veteranen der künftigen Generation auch dasselbe schöne Zeichen tragen können, das wir Alten uns in den großen Tagen der Vergangenheit erworben haben.“

„Das freut mir von ganzem Herzen,“ sagte der Feldmarschall, indem sein altes, treuherziges Gesicht von Glück und Freude strahlte. „Das haben Eure Majestät recht gemacht, das wird unseren Jungens wieder den Geist von 1813 einhauchen. Dieser Geist fängt schon an zu wehen, ich habe da gestern ein Witzblatt gesehen, worüber ich mir sonst geärgert habe, die Berliner Wespen, die haben einen preußischen Soldaten gemalt, der dem Napoleon die Faust unter die Nase hält und ihm sagt: „Dir hat wohl lange nicht die Nase geblutet.“ Das ist richtiger preußischer Geist, Majestät, und ich habe mir auch gleich hingesetzt und dem Schreiber von diesem Wespenblatt über sein Bild meinen Glückwunsch gesagt.“

Der König lächelte.

„Sie haben Recht, lieber Feldmarschall, je ernster die Zeit, um so weniger darf dem Soldaten der Humor ausgehen, und damit hat es bei uns Berlinern noch gute Wege.“

Er wandte sich um und begrüßte freundlich die Damen, deren dargereichte Bouquets er entgegennahm, sich entschuldigend, daß er sie nicht alle halten könne und sie dem Adjutanten zur Aufbewahrung übergeben müsse. Dann trat er in das Wartezimmer, wohin ihm die Deputationen der städtischen Behörden, die Generale und die Hofchargen folgten.

Der Unterstaatssecretair von Thiele war unterdessen an den Grafen Bismarck herangetreten und hatte ihm ein für ihn angekommenes Telegramm übergeben.

Graf Bismarck durchflog es, dann trat er mit blitzenden Augen in das Wartezimmer zum König, der so eben die Begrüßung des Magistrats entgegennahm.

„Majestät,“ rief der Graf, „ich habe so eben ein Telegramm des
Wolf'schen Bureaus erhalten. Die Entscheidung ist da.“