„Ist der Krieg erklärt?“ fragte der König.
„Die Kriegserklärung ist hier noch nicht übergeben,“ erwiderte Graf Bismarck, „aber die Erklärung, welche Ollivier im Corps legislatif abgegeben hat, ist so gut, wie die formelle Erklärung.
„Ich bitte Sie, zu lesen.“
Graf Bismarck trat, die Depesche in der Hand in den Lichtkreis des
Kronleuchters und begann mit lauter Stimme zu lesen. Das Telegramm
enthielt die Darstellung, welche der Großsiegelbewahrer im
Gesetzgebenden Körper über die Verhandlungen in Ems gegeben hat.
„Der König weigert sich,“ las Graf Bismarck in erhöhtem Ton, „die von uns geforderten Verpflichtungen einzugehen und erklärte Benedetti, er wolle sich für diesen, wie für jeden andern Fall vorbehalten, die Verhältnisse zu Rathe zu ziehen.“
„Richtig,“ sagte der König leise vor sich hin.
„Trotzdem,“ fuhr Graf Bismarck zu lesen fort, „brachen wir aus Friedensliebe die Verhandlungen nicht ab, um so größer war unsere Überraschung, als wir erfuhren, der König von Preußen habe sich geweigert, Benedetti zu empfangen, und die preußische Regierung habe das amtlich mitgeteilt.“
„Ist das geschehen,“ fragte der König.
„Nein, Majestät,“ erwiderte Graf Bismarck, „ein Telegramm darüber ist in den Zeitungen erschienen. Darüber werden die Vertreter Eurer Majestät an den Höfen, bei denen sie beglaubigt sind, gesprochen haben. Es ist eine der Verdrehungen der Wahrheit, welche den Zweck haben, uns die Schuld des Friedensbruchs aufzuladen und die öffentliche Meinung in Frankreich zu erhitzen, vielleicht den Kaiser zum Äußersten zu reizen.“
Finster blickte der König vor sich nieder, und biß die Zähne auf einander, ein bitterer Zug legte sich um seinen Mund.