„Ich habe Eure Majestät, vorhin die Meinung ausgesprochen, welche ich über Herrn Drouyn de L'huys hege. Ich kann indeß eine Bemerkung nicht unterdrücken, welche ein wenig gegen die Übertragung des auswärtigen Ministeriums an ihn sprechen möchte. Herr Drouyn de L'huys gilt in Folge der Verhältnisse, unter denen er das Portefeuille im Jahre 1866 abgegeben, für einen großen Gegner Preußens und für einen Fürsprecher kriegerischer Unternehmungen.“

„Drouyn de L'huys will durchaus den Frieden aufrecht erhalten wissen,“ sagte der Kaiser schnell.

Der Blick der Kaiserin flammte auf, sie machte eine leichte Wendung und führte einen Augenblick ihr Taschentuch an die Lippen.

„Ich glaube, daß Herr Drouyn de L'huys den Frieden will,“ erwiderte Ollivier, „indessen die Welt und namentlich das Ausland glaubt einmal das Gegentheil von ihm, es wäre vielleicht zu befürchten, daß seine Ernennung von den fremden Mächten, in's Besondere von dem Berliner Cabinet mit Mißtrauen aufgenommen werden möchte, und in diesem Augenblick, in welchem wir so sehr mit den inneren Fragen beschäftigt sind, würde eine Trübung der auswärtigen Beziehungen die Erfüllung der Aufgaben, welche wir dem Willen Eurer Majestät gemäß uns gesteckt haben, sehr erschweren. Es wäre vielleicht gut, das auswärtige Ministerium einem Manne zu übertragen, welcher seit längerer Zeit dem Mittelpunkt der Politik fern gestanden hat, und aus dessen Vergangenheit man keine beunruhigenden Schlüsse zu ziehen im Stande ist. Ihre Majestät die Kaiserin,“ fuhr er fort, „hatten so eben die Güte gehabt, mitzutheilen, daß der Herzog von Gramont sehr freundliche Gesinnungen für meine geringe Person hegt. Ich bin gewiß, Eure Majestät wissen, daß ich weit davon entfernt bin, mich durch persönliche Eindrücke leiten zu lassen, um so mehr als ich in diesem Falle glaube, daß die Sympathie des Herzogs von Gramont vor allen Dingen den Prinzipien gilt, welche ich in Uebereinstimmung mit Eurer Majestät auszuführen unternommen habe, und in dieser Beziehung würde ich allerdings ein Zusammenwirken mit einem Manne, der vollständig von denselben Grundsätzen durchdrungen ist, nur für sehr nützlich halten können.“

„Würden Sie nicht,“ fragte die Kaiserin lächelnd, — „Sie, der bürgerliche
Stoiker, Scheu haben, durch den Herzog von Gramont sich dem Faubourg St.
Germain zu sehr zu nähern?“

„Ich achte alle Klassen der Gesellschaft,“ sagte Ollivier in
pathetischem Ton, „wenn sie sich den Ideen, welche den Staat in unseren
Tagen leiten müssen, unterwerfen, und wenn der alte historische Adel
Frankreichs sich entschließen könnte, den Wegen des Kaisers und seiner
Regierung zu folgen, so würde die ganze Nation dabei gewinnen.“

„Sie nehmen die Sache ernst“, sagte die Kaiserin leicht hin — „ich habe gar keine Ansicht aussprechen und am wenigsten den Erwägungen vorgreifen wollen.“

„Die Andeutungen Eurer Majestät,“ sagte Ollivier, während der Kaiser fortwährend unbeweglich schwieg, „verdienen indeß die höchste Beachtung und vielleicht hat — Euer Majestät verzeihen mir,“ fügte er, sich leicht verneigend hinzu, „hier der weibliche Instinct schneller das Richtige getroffen, als es die ernsthaftesten und tiefsten Erwägungen hätten finden können. Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr will es mir scheinen, als ob der Herzog von Gramont in der That eine sehr geeignete Persönlichkeit für das auswärtige Ministerium wäre.“

Der Kaiser stand auf.

„Wir wollen darüber nachdenken,“ sagte er in einem Tone, der jede weitere Unterredung darüber abschnitt, „sobald das Plebiscit beendet sein wird. Für jetzt bitte ich Sie,“ fuhr er zu Ollivier gewendet fort, „mich zu begleiten, wenn Ihre Zeit es erlaubt, ich will einen Augenblick auf der Terrasse des Tuileriengartens spazieren gehen.“