„Sire,“ erwiderte der Marschall, sich martialisch aufrichtend, „jeder Officier Ihrer Armee hat eine Karte, welche ihm den sichersten und geradesten Weg nach Berlin zeigen wird, und ich habe die Meinige bei mir.“
Er schlug schallend an seinen Degen, indem er zugleich mit der andern
Hand die Spitzen seines Schnurrbarts emporkräuselte.
Der Kaiser sah ihn einen Augenblick ganz betroffen an, während Herr Ollivier sich ebenfalls mit kriegerisch stolzer Miene aufrichtete, und der Herzog von Gramont noch einige Notizen niederschrieb.
„Die Vortrefflichkeit Ihrer Karten,“ sagte Napoleon lächelnd, „hat sich in den verschiedenen Feldzügen Frankreichs mehrfach bewährt, indessen wäre es doch gut, wenn die Officiere daneben auch noch andere Karten zur Verfügung hätten und nicht bloß auf die magnetische Anziehungskraft angewiesen blieben, welche die feindliche Hauptstadt auf die Spitze ihres Degens ausübt, ich hoffe daß Sie dafür Sorge tragen werden,“ fügte er mit festem und bestimmtem Ton hinzu.
Der Marschall verneigte sich, jedoch zeigte seine Miene dabei deutlich, daß er auf die Hülfsmittel der geographischen Wissenschaft von seinem soldatischen Gesichtspunkt aus einen nicht eben allzugroßen Werth zu legen geneigt sei.
„Ich erwarte Sie morgen in St. Cloud, Herr Marschall,“ fuhr Napoleon fort, „um mir die Bestimmungen über die einzelnen Corps der Armee zur definitiven Entscheidung vorzulegen, — eine Anweisung darüber habe ich Ihnen schon zugehen lassen. Und nun bleibt Ihnen noch überlassen, mein lieber Herr Ollivier,“ fuhr er dann fort, „das große Agens aller Kriege herbeizuschaffen, nämlich das Geld. Wir bedürfen nach den angestellten Berechnungen einen Credit von dreißig Millionen für die Armee und einen weitern Credit von sechzig Millionen für die Marine. Die Vorlage muß so schnell als möglich im Corps legislatif gemacht werden.“
„Und sie wird mit jubelnder Acclamation aufgenommen werden, Sire,“ rief Herr Ollivier, „und wenn Eure Majestät das Doppelte und Dreifache fordern würden, — in diesem Augenblick würde Frankreich Ihnen nichts verweigern.“
„Also, meine Herren,“ sagte Napoleon aufstehend, „ich erwarte die
Vorlage der Kriegserklärung, sowie die schnelle und pünktliche
Ausführung aller eben besprochenen Maßregeln.
„So treten wir denn nun,“ fügte er ernst hinzu, „der großen Entscheidung entgegen, welche so lange wie ein schwüles Wetter über unsern Häuptern geschwebt hat, und es bleibt uns nur noch die Bitte übrig: Gott schütze Frankreich!“
Er sprach diese Worte tief aus der Brust heraus, während er die Augen wie fragend emporschlug.