Der Kaiser ergriff das rothe goldgestickte Käppi der Generalsuniform, steckte den neben seinem Tische stehenden Degen an und ging, selbst die Thür öffnend, in das Vorzimmer.

Er nahm den Arm des Generals Castelnau, welcher hier, ebenfalls in der
Campagne-Uniform wartete, und schritt mit ihm nach den Appartements der
Kaiserin.

Am Eingang der Gemächer Ihrer Majestät öffnete der Huissier schnell die
Flügelthüren und eilte den Kaiser ankündigend durch die Vorzimmer in den
kleinen Salon, in welchem die Kaiserin mit der Baronin de Pierres, der
Vicomtesse Aguado und der Gräfin de la Poëze saß.

„Der Kaiser!“ rief der Huissier.

Die Damen standen auf, die Kaiserin ging ihrem Gemahl bis zur Eingangsthür des Salons entgegen, Napoleon küßte ihre Hand und grüßte die Damen verbindlich.

„Sie sind in militärischer Tenne,“ fragte Eugenie, erstaunt den Kaiser und den Grafen Castelnau anblickend, — „zu so später Stunde, — ist denn etwas Außergewöhnliches geschehen?“ fügte sie unruhig hinzu, — „sind die Unruhen in Paris bedenklicher geworden?“ „Seien Sie unbesorgt,“ erwiderte der Kaiser lächelnd, — „es ist nichts Besonderes geschehen, — aber die Truppen sind consignirt — und da muß auch der Kaiser der Consigne folgen und im Dienst sein, — außerdem wollte ich mit Ihnen und Louis die Voltigeurs der Garde besuchen, denen ich die Bewachung der Tuilerien und den Schutz des kaiserlichen Prinzen anvertraut habe.“

Die Kaiserin schlug freudig bewegt die Hände zusammen.

„Das ist ein vortrefflicher Gedanke,“ rief sie lebhaft, „je fester und lebendiger wir die Verbindung mit unseren Truppen erhalten, um so sicherer werden wir über alle unsere Feinde triumphiren. Ich bin sogleich bereit,“ sagte sie, indem sie sich schnell zu dem Tisch wendete und eine kleine, goldene Glocke bewegte, welche auf demselben stand.

Eine Kammerfrau trat ein.

Die Kaiserin warf einen raschen Blick auf einen großen Spiegel, welcher ihr fast ihre ganze Gestalt zeigte. Sie trug eine einfache Robe von blauer Seide.