„Ich denke, daß dieses junge Mädchen sehr viel Geist hat,“ erwiderte er, — „und daß sie manchen Diplomaten in der scharfen Erkenntniß der Verhältnisse beschämen würde.“
Der Kaiser schüttelte langsam den Kopf.
„Wie dunkel, wie mystisch die Antworten über meine Zukunft waren,“ sagte er. —
„Glauben denn Eure Majestät ernsthaft an solche Dinge?“ fragte Pietri.
„Denken Sie sich,“ erwiderte der Kaiser ernst, — „eine Welt von Blindgebornen, — würde nicht ein Sehender, der unter sie träte, der den Sinn besäße, der ihnen allen fehlte, Wunder unter ihnen verrichten, — würde er ihnen nicht als ein übernatürlicher Prophet erscheinen, — oder als ein Narr verlacht werden, — und das bloß weil er einen Sinn mehr hätte als sie und durch diesen Sinn eine Welt wahrnehmen könnte, welche da ist, welche die andern Alle umgiebt wie ihn, — welche aber ihrer Wahrnehmung sich entzieht, weil ihnen das Medium dazu fehlt. — Können denn nicht auch uns solche Welten umgeben, für welche unser Organismus keinen Sinn besitzt, — und ist es unmöglich, daß Einzelnen dieser Sinn gegeben ist, der sie das erblicken läßt, was uns verschlossen bleibt und was wir deshalb in selbstgenügsamer Beschränktheit für nicht vorhanden erklären?“ —
„Und wenn dem so wäre,“ sagte Pietri, — „Eure Majestät können mit der Perspective, welche Fräulein Lesueur geöffnet, zufrieden sein — Napoleon IV wird Kaiser der Franzosen sein — hat sie ihren Geist antworten lassen, — und“ sprach er mit herzlichem und aufrichtigem Tone, — „ich habe dazu nur den Wunsch hinzuzufügen, daß das recht spät und nach einer noch recht langen und glücklichen Regierung Eurer Majestät eintreten möge.“
„Nun,“ rief der Kaiser mit freudigem Ausdruck, — „wenn nur diese Verkündigung sich erfüllt, so will ich darauf verzichten, das Dunkel zu lichten, welches in den Antworten der Geister meine Zukunft verhüllt, — ein Fürst darf keine Person sein, — er ist ein Glied in einer großen Kette, welche die Epochen der fortschreitenden Weltgeschichte aneinander knüpft — ob, wann und wie ich untergehe, — was liegt daran, wenn nur meine Dynastie erhalten bleibt, um die Vergangenheit und die Zukunft Frankreichs mit einander zu verbinden.“
Er schwieg und blickte wie träumend vor sich hin.
„Gehen Sie zum Prinzen,“ sagte er dann, — „er soll seine Uniform anlegen und sich bereit halten, mich zu begleiten. Ich will die Kaiserin abholen, um jene braven Truppen zu besuchen, welche in den Galerien Wache halten und die Zukunft Frankreichs beschützen.“
Pietri eilte hinaus.