„Eure Majestät hatten befohlen,“ sagte der Geheime Cabinetsrath, „daß von den Civilbehörden außer den Deputationen sämmtlicher in Berlin bestehenden Behörden und der Regierung in Potsdam nur die Oberpräsidenten der Provinzen eingeladen werden sollten.“

„Ganz recht,“ sagte der König, „einfach und schlicht wie der Sinn meines Vaters war, soll auch die Feier der Enthüllung des Denkmals sein, auch wenn kein großer Pomp entfaltet wird, so wird das Gefühl des preußischen Volkes und seine frommen Erinnerungen dennoch diesem Act seine schöne und hohe Bedeutung geben.“

„Von den Rittern des eisernen Kreuzes,“ fuhr der Geheime Cabinetsrath fort, „sollen wie Eure Majestät bestimmten, nur diejenigen von Berlin, Potsdam und Spandau zugezogen werden —“

„Die Ritter des eisernen Kreuzes,“ sagte der König sinnend — „um das Denkmal des verewigten Herrn, dessen einfacher frommer Sinn dieses eiserne Denkzeichen an eine eiserne Zeit stiftete! Sie werden immer weniger,“ fuhr er mit weicher Stimme fort, „diese alten Kämpfer für die Befreiung Deutschlands — noch einige Jahre und das edle Zeichen wird aus meiner Armee verschwunden sein, — sie werden dann dort oben Alle versammelt sein um meinen Vater und meine Mutter — und ich auch! — So Gott will aber soll der Geist nicht verloren gehen, welcher in jenem Zeichen lebt, der Geist der frommen und treuen Hingebung an das Vaterland, der Geist, der uns lehrt, das eiserne Schwert nur zu gebrauchen für eine Sache, auf welcher der Segen des heiligen Kreuzes ruht.“

„Uebrigens,“ fuhr der Geheime Cabinetsrath von Wilmowsky nach einigen Augenblicken fort, „wird eine umfassende Repräsentation der Stadt Berlin bei der Feier statt finden, worüber der Polizeipräsident von Wurmb, der heute oder morgen hier eintrifft, Eurer Majestät noch nähere Mittheilungen machen wird. Auch von allen Großstädten der Monarchie sind Deputationen angemeldet, ebenso von Seiten der Provinzial-Stände.“

„Wenn es nur nicht zu groß und geräuschvoll wird,“ sagte der König. „Nun,“ fuhr er fort, „Jedermann in Preußen kennt ja den Sinn meines Vaters, und man wird verstehen, daß auch in diesem Sinne die Feier gehalten werden muß. Es sollen Deputationen der russischen Armee erscheinen,“ fuhr er dann fort, „ich will darüber noch mit Treskow das nähere besprechen. Diese Aufmerksamkeit des Kaisers Alexanders freut mich ganz besonders, der hochselige Herr legte ja stets so hohen Werth auf die russische Freundschaft und lächelte stets so still glücklich, wenn es im Palais hieß, die Russen kommen. Es wird ein schöner, aber tief ergreifender Tag werden,“ sagte er, „und ich werde so recht ruhig und zufrieden sein, wenn ich erst das liebe und so schön gelungene Erzbild meines Vaters als ein Denkmal der großen und unvergeßlichen Zeit werde aufgerichtet haben. Lassen Sie mir das ganze Programm hier,“ sagte er dann, „ich will Alles genau noch prüfen, und wenn ich Wurmb gehört habe, Alles definitiv feststellen. Was haben Sie sonst noch?“

Der Geheime Cabinetsrath nahm seine Papiere zur Hand und begann den
Vortrag über die laufenden Geschäftssachen, welche der König hier im
Bade mit derselben Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit erledigte, als in
Berlin.

* * * * *

Um drei Uhr Nachmittags erschien im Badehause der französische Botschafter Graf Benedetti. Er war bereits zum Diner angekleidet und trug unter dem schwarzen Frack das breite Orangeband des Ordens vom schwarzen Adler, den Stern dieses höchsten preußischen Ordens und das Großkreuz der Ehrenlegion auf der Brust. Sein blasses, glattes und bartloses Gesicht, dessen runde Stirn von dünnem ergrauendem Haar umgeben war, zeigte die vollkommenste gleichgültige Ruhe. Ein heiteres, freundlich höfliches Lächeln lag auf seinen Lippen, und seine klaren grauen Augen, welche selten einen bestimmten Ausdruck zeigten, blickten so völlig unbefangen umher, daß Niemand, der den Botschafter in die Wohnung des Königs eintreten sah, an das Vorhandensein irgend einer, auch nur einigermaßen ernsten politischen Frage hätte glauben können.

Der Flügeladjutant vom Dienst meldete den Botschafter sofort Seiner
Majestät und führte ihn unmittelbar darauf in das königliche
Arbeitscabinet.