Der Kaiser durchschritt das Vorzimmer und trat in den Salon, an dessen
Schwelle ihn die Kaiserin empfing.

Napoleon blieb einen Augenblick erstaunt stehen, denn hinter seiner Gemahlin, deren Gesichtszüge eine lebhafte Erregung ausdrückten, sah er neben dem, von großen Fauteuils umgebenen, mit Albums aller Art bedeckten Tisch in der Mitte des Salons den Baron Jérome David und den Herzog von Gramont.

Der Baron Jérome David, der Führer der entschiedensten Anhänger des Kaiserreichs im Corps legislatif, war ein Mann von etwa fünfzig Jahren von kräftiger, schlanker Gestalt; sein auf einem kurzen Halse sich erhebender Kopf hatte scharf markirte, von energischer Willenskraft und etwas colerischem Temperament zeugende Gesichtszüge; das dunkle volle Haar war über der niedrigen Stirn leicht gekräuselt; unter hochgeschwungenen Augenbrauen blickten große, etwas hervorstehende Augen hervor, deren etwas stechender Blick fast immer den Ausdruck zorniger und unruhiger Erregung hatte; die etwas abgestumpfte starke Nase, die hoch aufgedrehten Spitzen des dunklen Schnurrbarts und das mächtig hervorspringende Kinn ließen seinen Gesichtsausdruck in der Erregung einer lebhaften Conversation fast herausfordernd erscheinen.

Der Kaiser trat langsam in den Salon und wandte sich mit einer Miene, in welcher eben so viel Erstaunen, als Unzufriedenheit lag, an den Herzog von Gramont.

„Ich hätte nicht erwartet, Sie noch hier zu finden, Herr Herzog,“ sagte er, ohne die Höflichkeit und den verbindlichen Ton, die ihm sonst eigen war.

„Ich glaubte Sie schon in Paris, um mit Ollivier jene Erklärung zu verabreden, über welche wir vorher gesprochen haben.“

„Der Herzog,“ fiel die Kaiserin schnell ein, „wollte vor seiner Rückkehr mich begrüßen, und mir zugleich die Nachricht von der Verzichtleistung des Prinzen von Hohenzollern bringen. Ich habe ihn noch zurückgehalten, um ihm Gelegenheit zu geben, die Mittheilungen anzuhören, welche der Baron Jérome David mir so eben über die Stimmung in Paris und in den Kreisen der Deputirten gemacht hat, und welche vielleicht von einigem Einfluß auf die Entschließungen sein könnten, die man in diesem Augenblick zu fassen hat.“

Der Kaiser verneigte sich leicht gegen den Baron Jérome David und sagte immer noch in demselben strengen Ton seiner Stimme.

„Und welche Mittheilungen haben Sie der Kaiserin gemacht, Baron?“

Er reichte seiner Gemahlin die Hand, führte sie zu einem der neben dem Tisch stehenden Sessel und setzte sich an ihre Seite, den Blick mit gespannter Aufmerksamkeit auf den Baron richtend.