Mehrere Stunden waren verstrichen voll unruhiger Erwartung für den Grafen Benedetti, welcher sich in seinem Zimmer auf ein Canapé niedergelegt hatte, um nach all der Aufregung der letzten Tage wenn nicht Schlaf, so doch wenigstens Ruhe für seine erschöpften und abgespannten Nerven zu finden.
Endlich, es war bereits Abend — die Zeit des Diners des Königs war vorüber — wurde dem Botschafter abermals der Fürst Radziwill gemeldet.
Rasch sprang Benedetti empor und kaum gelang es ihm, den Ausdruck unruhiger Spannung von seinem Gesicht verschwinden zu lassen, als er dem Adjutanten des Königs entgegentrat.
Noch kälter, noch zurückhaltender als vorher war der Ton, in welchem dieser dem Botschafter sagte:
„Der König hat mir befohlen, Eurer Excellenz mitzutheilen, daß er sich verpflichtet sähe, eine neue Discussion über den zweiten, von Ihnen angeregten Punkt — betreffend die Verpflichtungen und Garantien für die Zukunft ganz bestimmt und kategorisch abzulehnen. Was Seine Majestät Eurer Excellenz heute Morgen zugesagt hat, ist des Königs letztes Wort in dieser Angelegenheit, und der König bittet Eure Excellenz sich lediglich und ausschließlich an jenes Wort zu halten.“
Das Gesicht des Grafen Benedetti wurde bei diesen mit äußerster Artigkeit, aber auch mit entschiedenster Festigkeit gesprochenen Worten des Fürsten Radziwill noch um eine Nüance bleicher. Er ließ einen Augenblick die Augenlider herabfallen, wie um den Ausdruck seines Blickes zu verhüllen, und ein leichtes Nervenzucken zeigte sich eine Secunde um seinen Mund. Schweigend neigte er den Kopf und sprach dann mit ruhiger Stimme, in deren Ton keine Aufregung bemerkbar war.
„Ich danke Eurer Durchlaucht für diese Mittheilung und möchte Sie nur noch bitten, mir zu sagen, ob die Ankunft des Grafen Bismarck hier, von welcher in diesen Tagen gesprochen wurde, heute oder morgen zu erwarten ist.“
„Soviel mir bekannt geworden,“ erwiderte der Fürst Radziwill, „hat der Graf Bismarck seine Reise hierher aufgeschoben und morgen jedenfalls wird seine Ankunft hier nicht zu erwarten sein.“
„Dann bitte ich Eure Durchlaucht,“ sagte Benedetti, „Seiner Majestät zu sagen, daß ich nicht weiter auf meiner Bitte bestehe und mich bei den Erklärungen des Königs beruhigen wolle.“
Der Fürst verabschiedete sich. Graf Benedetti begleitete ihn zur Thür und blieb dann einige Augenblicke schweigend in tiefen Gedanken stehen.