Ein brausender Hochruf ertönte als Antwort auf den königlichen Abschiedsgruß und wiederholte sich mit wachsender Begeisterung, während der immer schneller dahin rollende Zug den Monarchen aus dem stillen, friedlichen Badeort nach seiner Residenz zurückführte, von wo er bald hinausziehen sollte an der Spitze des waffengerüsteten Deutschlands, um von Neuem den Kampf aufzunehmen gegen den alten Feind seines Hauses und seines Landes.
Der König hatte an dem Fenster des Salonwagens Platz genommen und blickte durch die hellen Glasscheiben in die lachende Gegend hinaus, während der Geheimrath Abeken ihm gegenüber Platz genommen hatte, um ihm die verschiedenen eingegangenen Depeschen vorzutragen.
Der Hofrath St. Blanquart saß am Ende des Salons, den Chiffre vor sich, eine nach der andern die Depeschen dechiffrirend, welche unmittelbar vor der Abreise eingegangen waren und bereit, diejenigen in Empfang zu nehmen, welche man auf den einzelnen Stationen erwarten mußte.
„Ich habe Eurer Majestät,“ sagte der Geheimrath Abeken, „sogleich zu Anfang eine wichtige und erfreuliche Nachricht mitzutheilen. Aus München ist gemeldet, daß der König auf den Vorschlag des Ministeriums erklärt hat den Casus foederis für gegeben zu erachten, auch hat seine Majestät die vorgelegte Mobilisirungsordre genehmigt.“
Der Blick des Königs leuchtete freudig auf.
„Das deutsche Blut der Wittelsbacher verläugnet sich nicht,“ sagte er, „sie haben gegen uns gestanden im Kriege von 1866, und sie lieben dort vielleicht Preußen nicht zu sehr — aber jetzt wo Deutschland in den Kampf tritt, zweifelt dieser junge König nicht, wo sein Platz ist. Nun Deutschland wird ihm das nicht vergessen und ich auch nicht, denn von nun an, wenn Gott uns in diesem Kampfe beisteht, wird ja die Geschichte Preußens und Deutschlands für immer die gleiche sein. Künftig wird die deutsche Armee ins Feld ziehen —“
„Wie Brandenburg Preußen wurde, Majestät,“ sagte der Geheime
Legationsrath, „so wird Preußen Deutschland werden und damit seine große
Mission vollenden.“
Der König blickte schweigend weit hinaus nach dem Horizont, an welchem die an der Bahn liegenden Bäume schnell vorüberflogen.
„Der feste und patriotische Entschluß des Königs Ludwig,“ sagte er nach einigen Augenblicken, „ist um so höher anzuerkennen, als es in Baiern in allen Kreisen nicht an eifrigen Bemühungen gefehlt hat, die Gelegenheit zu benutzen, um eine Sonderpolitik zu machen. Nun ist Deutschland einig, und jede Hoffnung Napoleons, die Südstaaten zu sich herüber zu ziehen, gescheitert. Von Würtemberg sind noch keine Nachrichten da?“
„Noch nicht,“ sagte der Geheime Legationsrath Abeken, „doch hat Herr von Rosenberg berichtet, daß an der patriotischen Haltung Würtembergs nicht zu zweifeln sei.“