Mit einem Mann zu gehen, hatte ich geträumt, wie jede Frau. Rudi war nicht dieser »Mann«. Aber ich kannte ja überhaupt keinen, der diesem Bild entsprach. Es war wohl ein phantastischer Traum. Konnte ich warten, warten ins Blinde? Steuerlos mit all meinen Plänen? Mit dieser Stimme, die heraus wollte und nicht wußte wohin?
Wir sahen ein, daß wir gütlich zu keinem Ziele kämen. Ich verließ eines Tages das Elternhaus und war drei Tage unauffindbar. Auch Rudi wußte nicht, wo ich wohnte. Ich traf ihn nur im Café. Wir hatten das so arrangiert, damit er jederzeit beeiden könne, er wisse nicht, wo ich wohne, falls man etwas gegen ihn unternehmen sollte.
Wir hatten uns nicht getäuscht.
Am zweiten Tage wartete ich vergeblich. Ich telephonierte zu seinem Papa und erfuhr, daß Rudi wegen Entführung verhaftet sei und im Landesgericht sitze.
Entführung einer Minderjährigen, das ist kein Spaß in Österreich. Der Augenblick, aus meinem Versteck hervorzukommen, war also schon da. Bei Gericht traf ich meine Mutter, der Vater war verreist. Sie sprach an diesem Tage nicht mit mir. Rudi wurde natürlich wegen mangelnden Tatbestandes sofort enthaftet.
»Jetzt darfst du ihn heiraten, und mußt es«, sagte meine Mutter mit finsterer Miene.
»Muß ich, wirklich?« das machte mich ganz nachdenklich. Ihn heiraten zu müssen, daran hatte ich nie gedacht. Unter diesem Gesichtspunkt wäre er mir vielleicht ganz anders erschienen als unter dem, ihn durchaus nicht heiraten zu dürfen!
»Muß ich wirklich? Es ist ja nichts – geschehen«, sagte ich kleinlaut.
»Einerlei«, sagte meine Mutter. »Das kann man glauben und auch nicht, jetzt mußt du ihn heiraten, als anständiges Mädchen, die Suppe ausessen, die du dir eingebrockt hast.«