Und das traurige Puttel kommt als Prinzessin wieder, paßt nur auf, als ganz waschechte Prinzessin, – ihr werdet es gar nicht wiedererkennen.


Ich habe in meinem Leben viel über die »Menna« geweint. Ja, ja, wie ich sie hasse! »Die Menna muaß ma kenna, die Menna, die san schlecht, so sagt die Mahm und nacha schimpft's af die Menna recht!« Ja, ja, wie ich sie hasse. Aber fast noch mehr habe ich über sie, durch sie, »mit sie« – gelacht. Und das stimmte mich immer wieder – versöhnlich.

Überhaupt: was habe ich nicht gelacht in diesem Leben – über dieses Leben! Mich ausgeschüttet vor Lachen über diese Pantomime. Selbst wenn ich selbst darin am wildesten zappelte und tanzte. Ich stand immer noch, außerdem, irgendwie über oder neben der Szene, in der ich agierte. Neben der Szene, in den Kulissen des Theaters stand eine zweite Person, die der »Heldin« darin aufs Haar ähnlich sah, – und wollte sich ausschütten. Oft an den verhängnisvollsten »Peripethien« des Dramas wollte jene sich darüber erheitern – oder sich gelassen darein ergeben.

Mein starker, tapferer, unzerbrechlicher Wille war es, der mich aus Schutt und Flammen immer wieder herausrettete. Mein Wille zu mir. Mir selbst unbewußt – als Wille! Sich kündend wie eine gewaltige, starke, schiebende Hand. Ein Wollenmüssen war es mehr, denn ein Wollenwollen. Ihm, diesem Willen zu mir, danke ich – mich. Er auch führte mich weiter, ja über mich selbst hinaus, ein gut Stück.

Dank dir, mein Wille! Mein strahlender, diamantharter, strenger, schöner Wille!


Mein Wille zu mir. Er hat nichts gemein, dieser mein Wille zu mir, mit jener Ichsucht, die den von ihr Befallenen in sich hinein bannt, ihn vom Objekte trennt. Jener Wille ist, so denke ich, der Wille zur Bewußtheit. Zur Deutlichkeit! Deutlichkeit meines Selbst, in allen seinen Elementen, ist sein Ziel. Selbstbewußtsein also, Selbstgefühl, wenn man will. Der Wille ist es, meiner wahren Gestalt auf die Spur zu kommen und diese meine Gestalt nicht zu verlieren an der Welt! Selbstgefühl, wenn man will. Ja, man heiße es meinetwegen Egoismus. Ich behaupte: nur Egoisten (in diesem Sinne), nur Menschen von dieser Art Selbstgefühl können lieben. Denn Liebe bedeutet Hingabe. Aber nur wer ein deutliches, bewußtes Selbst hat, vermag es hinzugeben. Nur der vermag auch abzuschätzen, was er empfängt. Die Lauen, die Dämmrigen, – man hänge ihnen einen Purpurmantel um die Schultern und sie werden nur bemerken, daß da etwas ist, was wärmt. Sie werden sich behaglich einrichten – im Purpurmantel! Und sie werden von Liebe zu sprechen wagen, wenn sie ein bißchen Gekribbel empfinden in den dicken Nervensträngen, ein bißchen Rührung vielleicht in der Kehle oder ein bißchen Erhitzung im lauen Blut. Verhaßt sind mir die Laublütigen, die Purpurmäntel benutzen, wie Schafpelze, die von Liebe sprechen, wenn's behaglich wird, von Hingabe, wenn sie Liebe über sich – ergehen lassen.

Nur die Egoisten, in diesem meinem Sinne, sind fähig, um der Liebe willen sich hinzugeben.