| Du liebst mich nicht, |
| Da solang mir fernzubleiben dir gelingt. |
| Du liebst mich nicht! |
| Du liebst mich nicht, |
| Da meiner Sehnsucht stummes Rufen |
| Nicht bis zu dir in jeder Stunde dringt! |
| Du liebst mich nicht! |
| Du liebst mich nicht, |
| Da meinem Blick du nicht begegnet, |
| Wenn über Meilen er zu dir gesandt, |
| Du liebst mich nicht, |
| Da ich mein Antlitz hin nach West gewandt |
| Und in der Luft das deine nicht erkannt! |
| Du liebst mich nicht! |
| Du liebst – |
| Was hör' ich an der Tür, |
| Wer pocht, als wollt' er sprengen, |
| Was ihm verstellt den Weg zu mir? |
| Weit fliegt sie auf, da stehst du, bleich und rot. |
| Du liebst mich nicht! sprach's dieser Mund, der sich dem deinen, |
| Du liebst mich nicht? – auf Tod und Leben bot! |
»Du – wo hast du diesen Ton her, diesen einfältigen Ton?«
Ja, das weiß Gott allein!
Und dann, – dann setzest du dich ans Klavier. Ein paar Griffe, ein weniges, kurzes Tasten und Suchen, – und eine Melodie war da. Kindische Jubelrufe stiegen aus dem Klavier auf. Und ich, – ich sang ganz keck in die werdende Komposition hinein und schmetterte es aus dem offenen Fenster über alle Dächer: »Du liebst mich nicht – du liebst mich nicht!«
Als wir einander dann in die Arme fielen, sagtest du in dieser deiner ernsthaften und doch lachenden Art, die ich vergöttere: »Dieses unser Lied ›Du liebst mich nicht‹ wird ein Volkslied werden, kleine Maja!«
Was mir so lieb ist an dir, ist – ist auch, denn was ist mir nicht lieb an dir? – daß dir die ironische Note so vollkommen fehlt. Du lieber, ernsthafter Deutscher. Ernst bist du, durchaus. Alles ist ernst an dir. Aber nicht bitterer, – süßer Ernst! Sonnig ernsthaft bist du. Ironie und alles, was ihres Wesens ist, – Hohn, Witz, – ist dir fern. Und das ist gut für mich. Denn es macht mich mir deutlich. Und hast doch ein so gutes Lachen: Humor.
Dimitri hatte so gar keinen Humor. Humor ist gute Sonne, die wohlwill, da sie lacht. Dimitri hatte keinen Humor. Sarkasmus hatte er. Und er konnte »ausgelassen« sein. Von tobender »Lustigkeit«. Er verschonte dann niemanden mit dieser Stimmung, in welchen Kreis immer er auch geraten mochte, und verlangte, man solle »mitvibrieren«. Diese – Lustigkeit ergoß sich in einer Flut von »Späßen«, die wie Distelköpfe auf die Leute geschleudert wurden. Aber anstatt »mitzuvibrieren«, wurden die Leute immer einsilbiger, eisiger, ablehnender. Bis Dimitri das plötzlich bemerkte und seine Lustigkeit mit einem Ruck stoppte.
Ich muß an ein Wort denken, das ein Freund Dimitris, ein Knabe von achtzehn Jahren, ein Jüngelchen von dürftigem Körper, aber mit den Augen Wolfgang Goethes, – auch ein Ernsthafter, aber ein ernsthafter Jude, – gesagt hat: »Nicht über die Unordnung lachen, der Ordnung zulachen!«
Ja, der Ordnung lachst du zu, Johannes!