Heimatlich war's mir zuweilen auch bei den anderen, die ich lieb hatte. Dafür hatte ich sie ja lieb: für dies bißchen minutenlange Heimatsgefühl. Es kam, wenn ich mich von Verheißungen betäuben ließ. Mit wachen, klaren, frischen Augen kam es, neben jenen, nicht. Nur wenn ich mich einhüllen ließ von der Liebe, wie von Dämpfen, dann kam dieses Gefühl, und wie war ich jenen dann so gut dafür! Nahm es doch dieses Furchtbare von mir, das mich mein Lebenlang begleitet hat, dieses Gefühl der Verschollenheit, der Heimatlosigkeit und des verzehrenden Heimwehs. Ein Heimweh nach Herzensheimat! Wie eine Art seelischer Platzfurcht überfiel es mich oft. Dann kamen – jene, streichelten mich ein bißchen und vertrieben mir mit diesem Streicheln für kurze Minuten das Furchtbare, das Unerträgliche. Ans Ende der Welt wäre ich ihnen dafür gefolgt! Mein Seelenheil hätte ich verkauft für das bißchen – »weiches Gezottel«.

»Aber so warst du immer: immer kamst du vertraulich zu allem Furchtbaren. Jedes Ungetüm wolltest du noch streicheln. Ein Hauch warmen Atems, ein wenig weiches Gezottel an der Tatze –: und gleich warst du bereit, es zu lieben und zu locken.

Die Liebe ist die Gefahr des Einsamsten, die Liebe zu allem, wenn es nur lebt! Zum Lachen ist wahrlich meine Narrheit und meine Bescheidenheit in der Liebe! – Also sprach Zarathustra und lachte dabei zum andern Male.«*)

*) Nietzsche.

Dein erster Kuß – ich weiß ihn. Wenn ich auch nicht weiß, – wie er so kam. Er erreichte mich. Er ward mir – angehaucht. Auf meine Lippen mir gehaucht. Ich glaube, es war, – ich glaube, wir saßen nebeneinander und sprachen. Sprachen wir nicht, als es geschah? Oder war da eine Pause? Oder kam die Pause erst nachher? Oder sprachen wir weiter? Ich weiß es nicht, Johannes, und möchte es so gern doch wissen. Ich weiß nur, er kam mir – angehaucht – auf meine Lippen. Und zweier Augen Licht sah ich in mich hineinfließen, wie einen goldenen Strom, von dem nie noch früher eine Welle mich traf. Nie noch!

Golden war, ja golden, was da in mich floß, und lange dauerte es an, der zitternde Hauch auf den Lippen, und das Goldene, das da in mich floß.

Was – war es doch, – Johannes?

Und du hältst mich in den Armen und fragst: »Was ist dir? Warum zitterst du so?« Und deine eigene Stimme ist schwer und mühsam, da sie so fragt. Und deine eigenen Arme, die mich umschlungen halten, ich fühle, – wie sie selbst – zittern. Du Ruhiger, – was bist du nicht ruhig?

Und ich, ich?