Ich dachte oft: Wird er dahin gehen, dahin sich wenden, auf dieser unserer Wanderung, – wohin ich es meine? Keinen Wink gab ich, nicht den Finger rührte ich. Und du, du gingst, gingst immer voraus, gingst lachend und ganz, ganz schwindelfrei! Und ich, ich folgte, ließ mich führen – meinen, meinen Weg!

Schwindelfrei!


Dimitris Schwanken zwischen »Heiligkeit« und »Übermenschentum« – es ist nur das typische Kampferlebnis des edleren Mannes. Nur freilich bei ihm zu dem geworden, was es gemäß seinem von Affekten durchwühltem Wesen werden mußte. Ein Ringender stand er an dem Scheideweg, an dem jeder Edle steht. Diesem Scheideweg des Herkules: Genuß oder Tugend. In früheren Zeiten hieß die Markierung: Schönheit oder Geist, Tugend. Heute wissen wir, daß die Schönheit als Fackel voranleuchtet dem Weg der Tugend, des Geistes, der einzig zum Glücke führt. Und daß jener andere Weg – Üppigkeit heißt, Ästhetentum, Verrat der Idee an die Materie. Aber nicht: Schönheit. Schönheit leuchtet zum Geist, der die Tugend ist; der Weg ist nicht minder bedrohlich und beschwerlich, als er damals war. Vielleicht noch schwieriger: gilt es doch, die Fackel nicht zu verlieren! Gilt es doch, nicht nur in die Dornen zu greifen, sondern die Rose zu erringen, die umdornte!

Du suchtest diesen Weg, wie Dimitri. In deiner Art du, in seiner er. Beide suchtet ihr ihn, ihr Verschiedenen. Die verschiedensten Gestalten gehen diesen Weg. »Heilige« von der Art jenes Nietzscheschen wunderlichen Heiligen, den er den »Erhabenen« nennt: »– o wie lachte meine Seele ob seiner Häßlichkeit .... Noch lernte er das Lachen nicht und die Schönheit. Finster kam dieser Jäger zurück aus dem Walde der Erkenntnis.«

Finsterlinge gehen ihn wie Lichthelden, solche, deren Haupt umschwirrt ist von dunkelm Flügelschlag und andere, um deren Kopf es leuchtet. Laute und Leise gehen ihn, vergrübelte Wanderer und fröhliche Ritter, Ritter der überpersönlichen Tat, die ihn überfliegen, wie jubilierende »eiserne Lerchen«.

Ein edles Suchen, das sie alle vereint auf demselben Weg, auf dem sie wandeln, jeder als ein anderer, jeder gemäß seiner selbst, jeder unter eigener Fahne.

Und doch ein Weg!

Auch – Frauen gehen mitunter diesen Weg. Auch sie stehen mitunter am Kreuzweg vor der Wahl.