Wir fuhren aus der Kirche zurück in die Wohnung der Eltern. Ein kleiner Kreis war da versammelt, Freunde und Bekannte, Gratulationsgäste. Ich ging auf mein Zimmer, legte den Hochzeitsstaat ab und kam im Reisekleid in den Salon. Ich begrüßte meine Bekannten. Daneben in dem kleinen Wohnzimmer, wo mein Klavier stand, waren noch einige Leute. Ich trat da ein und sah einen Fremden. Ein Verwandter von mir, ein Musiker, Mitglied des Opernorchesters, sagte mir, bevor er mir ihn vorstellte: »Das ist der Komponist, dessen Symphonie die Philharmoniker vorgestern hier aufgeführt haben. Er ist Professor an der Musikhochschule in B.«
»Wer ist dieser Mann?« sagte ich.
»Du hörst ja«, sagte er. »Und ich habe mir erlaubt, ihn hierher mitzubringen, weil er mit dem Nachmittag nichts anzufangen wußte. Er reist abends wieder nach B. ab. Du siehst, er ist im Reiseanzug. Entschuldige das, bitte. Aber ich dachte auch, er würde dich interessieren!«
Und dann führte er dich zu mir und nannte deinen Namen.
Wir sprachen und sprachen. Ich ging nicht mehr in den Salon zurück. »Sie sind die Braut«, sagtest du. »Ja, das heißt, jetzt bin ich wohl eine Frau.« Und wir sprachen von Musik und Gesang und auch von meiner Stimme.
»Wer ist Ihr Mann?« sagtest du. Und ich zeigte dir ihn. »Und Sie reisen?« »Ja, wir reisen.«
»Ich hätte nicht gedacht, daß Sie die Braut sind.«
»Dann will ich es Ihnen beweisen.« Und ich ging in mein Zimmer und kam wieder mit einem Stückchen Myrte und einem weißen Tüllfetzen, der vom Schleier gerissen war.
»Darf ich das behalten, – zur Erinnerung an meinen Einbruch hier im fremden Haus?«