Und den Schatten, den Schatten durft ich zeichnen! Einzeichnen in diese darum so teueren Blätter.
Und nicht nur die »Gestalt«. Daß ich »es« einzeichnen darf, das – Wunderbare – unabhängig davon, was mit uns geschieht! Gerettet ist's, geborgen, hier, hier in den Blättern.
Was ich in diesen Blättern den Göttern entzünden will, wie ich es nannte, es verläßt mich keinen Augenblick. Ich muß es tragen, wo immer ich gehe und stehe. Auf die Vollendung der Konzeption eines Werkes bis ins kleinste, darauf kommt es, nach Goethe, einzig an. Ausgetragen muß sein, was geboren werden soll.
Und nicht einmal, nicht bloß auf eine einzige Art kann ich sagen und schreiben, was ich hier schreibe, – auf zehnerlei Arten könnte ich es und tue ich es oft. Ist es Übermut oder Überfülle, oder ist es mir selbst kaum bewußte Strebung nach möglichster Vollendung der Gestalt, – morphologische Strebung des Stoffes, möchte ich es nennen, (sein Wille zur Form, der ihm innewohnt!) – daß ich die einzelnen »Stellen«, ohne es recht zu wollen, manchmal wieder und wieder schreibe, bis ich mir unter zehn Blättern eines erkiese, welches ich da niederlege?!
Schrieb ich sonst etwas (Aufzeichnungen etwa, oder Briefe) in der einen armselig herausgedrückten Art, in der ich es einmal herausgebracht hatte, blieb es stehen und es durfte so wenig daran gerührt werden, wie etwa ein wackliges Häuschen angeblasen werden darf.
Jetzt, – ich bücke mich und die Wellen meiner Quelle bleiben mir als schimmernde feste Kugeln in der Hand (wie es jener Brahminenfrau am Ganges erging, solange sie sündlos war), und ich werfe sie in die Luft und spiele mit ihnen und werfe sie wieder hinein in die Quelle und fange sie wieder und forme sie wieder, wieder, wieder.
Ich glaube, ich glaube, das kommt, weil der Stoff, das Element, aus dem ich diese Wellen greife, von so besonderer Art ist. Er hat den Zauber wohl in sich. Der Stoff.
Oder – sollte es an mir liegen? Hat ein Zauber meine Hand berührt?