Daß Kunst ohne Herz gemacht werden kann, ist eine von den Narreteien, die jetzt gerade im Kurs sind und durch geschickte Konstrukteure illustriert werden. Wie merkt man es einem noch so »geschickt« verfertigten Machwerk an, daß es eine fingierte Gestalt des Lebens ist, gleich jener Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«. Ein Apparat bleibt ein Apparat, und sei es selbst eine noch so flott arbeitende Denkmaschine.

Der Dichter, unter allen Künstlern insbesondere, ist ganz »Herz«. Alles muß ihn »angehen«. Er lebt hunderttausendfach. Wie der Bäcker für andere backt, der Schuster schustert, der Zimmermann baut, der Maler sieht, der Musiker hört, so – lebt der Dichter für alle andern. Er lebt ihnen etwas vor, erlebt es bis an die Grenze der Erlebnismöglichkeit und läßt so die andern das Leben durch und durch leben, wie sie es allein nie könnten.


Ich denke in »Stellen«, seit ich diese Blätter führe. Das will sagen, in besonderer Form. Nicht nur ein Gedanke »fällt« mir ein, der sich dann eine Gestalt sucht, sondern die Gestalt selbst kommt mir plötzlich daher, in ihrer Besonderheit, ihn, den Gedanken, den Gott in sich tragend. Sie fällt mir in den Schoß, wie vom Himmel. Wie der Goldregen plötzlich fiel in der Danaë Schoß. Blüten regnet es, wie aus dem Füllhorn der Mythe, Blüten, die den Gott verbergen. Und die Gestalt, in der er erscheint, ist sehr wesentlich. Auf die Bereitschaft zur Empfängnis kommt es dann einzig an. Zur Empfängnis gerade dieser Gestalt. Denn wäre der Goldregen nicht gerade in der Danaë brünstigen Schoß gefallen, die kostbare Begierde des Zeus wäre verloren gewesen.


Mir ist, als hätte ich bisher Volapük gesprochen. Oder meinetwegen Esperanto. Irgendeiner allgemeinen Verständigungssprache mich bedient, bedienen müssen. Aber meine Sprache, die dieser Blätter, hatte ich sie jemals früher gefunden? Wer hat sie je von mir gehört, diese meine Sprache? Ähnlich klang's, Esperanto ähnelt ja allem.

Zu dir nur konnte ich meine Sprache, mein Deutsch reden. An dir nur es finden.

Ungeheuerlich, »exotisch« möchte anderen vielleicht erscheinen, was ich zu sagen habe und wie ich es sage. Dir, dir ist's – was mir dein Wort ist: heimlich, heimatlich traut. O nimmer könnte ich sie missen, diese meine Heimat. Und verlöre ich Dich, so würde mein Herz doch immer die Heimat begehren – im Herzen eines Menschen.


Mir ist, als hätte ich sie – dich – nur wiedergefunden.