Die Liebe, die Liebe! Was ist sie närrisch, was ist sie zweifelsüchtig! Die süße, die närrische, die furchtbare!


Wie willst du denn die Macht in deine Hand bekommen,
Ist sie so schwach?
Besinne dich, wie oft das Schicksal dir in tausend Trümmer
In dieser Hand zerbrach.
Es sollte wohl so sein.
Es mußte ihr entgleiten,
Was nicht geschaffen war, dich führend zu geleiten,
In dieser deiner Hand dir magisch aufzublinken,
Zur Heimat leuchtend, die du sahst von Ferne winken.
Doch siehe zu, daß dir die rechte Kraft in deine Hand nun kommt,
Sie taste nimmermehr, – sie wisse, was ihr frommt.
Und jene Sehnsucht, die dir grausam überstrahlte,
Was du umklammert hieltst zu unrecht in der Hand,
Die Sehnsucht, die jedwedem Irrtum unbeugsam
schmerzlich dich entwand,
Sie leuchte heller dir und wandle sich in Macht:
Daß du beharren darfst, wenn dir die Heimat lacht!

Ob ich diese Blätter unvernichtet ließe, wenn du mich enttäuschtest, Johannes? Mich aus allen Himmeln meines Glaubens rissest? Mein holdes Wunder, unser Wunderbares, verneintest, vernichtetest?

Was heißt enttäuschen? Wenn ein Mensch etwas begeht, was man ihm durchaus und niemals zugemutet hätte. Enttäuschen heißt vernichten.

Wenn du nun begingest, was ich dir niemals zumute, ja mit aller Phantasie mir nicht vorstellen kann, wenn du Lieblosigkeit an mir begingest? Wenn du die Todsünde begingest, den Mord an der heiligen Liebe?

Ließ ich die Blätter, die Blätter, die an dieser Liebe wurden, unvernichtet?

Lange habe ich darüber gerungen. Mir schien es, als zwänge mich eine Stimme, mich zu entscheiden. Als lebte ich in beständiger Einsturzgefahr, bevor ich mich nicht deutlich entschieden hätte in dieser unwahrscheinlichen Frage.

Und die Stimme, sie sprach zu mir, wie sie schon öfter mir aus dunkler Bewußtlosigkeit hell heraustönte: »Was immer geschehen mag mit dir, – rette mich, deine Stimme!«