Brüderlichkeit – diesen Gedanken habe ich tief im Herzen! Liebe war meine Lebensquelle immer. Sah ich Freude über mich in den Augen anderer, so wurden sie hell davon, meine dunklen Augen. Und ich glaubte so gern an Geneigtheit, Freundlichkeit, an die Idee der Vertraulichkeit, des Wohlwollens von Mensch zu Mensch, der Brüderlichkeit.
O meine Brüder und Schwestern, – möchte doch dieser Glaube über euch alle kommen!
Aber wenig Wohlwollen erfuhr ich. Niemand sprach zu mir, wenn ich litt: »Sei geduldig! Sei friedlich! Sie wird dir wiederkommen, deine Seele. Denn du mußt wissen, sie ist nicht immer in voller Bewußtheit da, so eine Seele. Sie verläßt einen – scheinbar – manchesmal. Aber sie wird dir wiederkommen. Und dann mußt du sie in beide Hände fassen und sie tief und fest verankern. Und zu ihr sprechen: Bleibe da, sei ruhig!«
Niemand sprach zu mir, wenn ich froh war: »Menschenskind! deine hellen Augen freuen mich!«
Und doch und doch, – mein Glaube blieb leben und sprach zu mir, da ich tief daniedergedrückt war: »Einer wird kommen einmal, der deine Blicke trinkt. Einer wird vor dir stehen einmal und wird dich nehmen, imstande sein, dich zu nehmen, so wie du bist. Der Freund wird es sein, der Freund! Und lehnen wirst du dich an deinen Freund, die du heraufgefahren bist aus der Wüste, die du dich dein Lebenlang an niemanden ungestraft lehnen durftest, auf dieser deiner traurigen Fahrt. An ihn wirst du dich lehnen. Denn stark und ragend wird er sein und »auserwählt seine Gestalt, wie Zedern auf Libanon«.
Wenn ich sie auch an dir erlebte diese – Gefühlsverbröckelung? Was dann? Würde das Herz es ertragen? Dieses wehe, strömende, singende Herz?
Und du kommst und fragst: »Hast du mich auch noch lieb, Frowelin?« Und ich erwidere Dir: »Freund! Wenn Du mich auch verlässest – so bleibt mir – Gott!« – – –