Wir schieden dennoch, – genau so, wie wir geheiratet hatten: ohne »Einwilligung«.
Bei der Operette wollte ich um keinen Preis bleiben. Hier schien mir meine Zeit greulich vergeudet. Auch verschlangen die Toilettenkosten die Gage, so daß materiell nur dann etwas »herausgeschaut« hätte, wenn ich das Toilettebudget – anderweitig hätte decken lassen. Aus dieser Stimme konnte ich eben, außer ein paar Unterrichtsstunden, die ich gab, und der zeitweiligen Mitwirkung bei Akademien, Konzertabenden und ähnlichen Gelegenheiten noch keinen materiellen Gewinn schlagen. Ich wollte ja noch werden lassen! Kunst überhaupt ist eine Sparanlage, in die man lange, lange einlegen muß, bevor man von den Zinsen, die sie schließlich trägt, leben kann!
Unselige Schmach so vieler Frauen, dieser Alpdruck: was wird mit mir? Wie soll ich mich allein fortbringen?
Traurige Frage, traurige, schmachvolle Frage so vieler Frauen! Nicht ihre Schmach, freilich! Anders, anders wird das einmal alles sein.
Und viele Frauen sind dieser traurigen Schmach preisgegeben, ohne irgendein Talent, irgendeine »Stimme« zu besitzen, die sie – vielleicht – doch schließlich einmal frei macht.
Gouvernante werden???
Wie habe ich geächzt, wie habe ich gebangt, wie habe ich gezittert!
Frei, frei werden, um Gottes willen, – frei!
O daß mich meine Kunst einmal frei machte, meine Stimme! Ganz frei! Klinge mir voll auf, meine Stimme, und bringe mir sie, diese heißersehnte, heißerflehte Freiheit! Diese Lebenssicherheit, die ich brauche, um singen zu können, um atmen zu können! Dankbar werde ich sein, dankbar und helfend, wenn ich sie errungen haben werde, mit meiner Stimme, diese Sicherheit, die einzig die Freiheit ist!