Ich besaß, um mein kleines Heim zu erhalten, meine elterliche Rente als Grundlage meines Einkommens. Auch half mir meine Mutter, so sehr sie konnte. Endlich gab ich einige gutbezahlte Gesangstunden und wirkte während der Saison in Konzerten, Akademien und künstlerischen Veranstaltungen in privaten Kreisen mit.

Diese öffentliche Betätigung begann mir freundliche Erfolge zu bringen. Diese Stimme interessierte, so unfertig sie auch war. Vom ersten Piepser an, den sie von sich gab, wurde sie beachtet. Und es wurde nicht zurückgehalten mit dieser Kritik, und sie ermunterte und ermutigte mich, wenn ich mich stimmlos fühlte und an mir verzagen und an ihr, der Stimme, verzweifeln wollte.

Im allgemeinen kam ich viel in Gesellschaft. Und obwohl die Menschen meist inkognito leben, bemühte ich mich, hinter ihre Fiktionen zu blicken. Brennend interessierte mich immer der Mensch. Besonders in dem Punkt, wo sich sein Dasein mit einem andern verbindet. Die Ehe interessierte mich. Eine Einrichtung, ersonnen vom Menschen für den Menschen und vom selben Menschen immer wieder verstümpert.


Was es mit dieser Stimme eigentlich werden sollte, wußte ich nicht. Mein Leben selbst erschien mir nur wie ein Provisorium. Wo war sein Schwerpunkt, sein »Sinn«?

Kraft brauchte ich, das wußte ich wohl, um diesen Sinn aufzufinden und ihm gemäß, meiner gemäß zu leben. Kraft des Leibes und der Seele.

Nie war ich glücklicher, als wenn ich morgens, beim Erwachen schon, Kraft fühlte für den neuen Tag! Kraft in Hand und Blut und – Stimme! O das fühlt man, gleich morgens schon!

Und wenn ich matt erwachte – ach, wie so oft, matt wie eine Fliege, müde, kampfmüde, von Bangigkeiten belastet! – wenn ich so erwachte, ich weinte darüber in den Morgen hinein!

Denn wie sollte ich ihn bewältigen, den neuen Tag?!